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„Keine böse Absicht“ : Papst gesteht Fehler in Kommunikation mit deutschen Katholiken ein

Papst Franziskus spricht am 30. Juli auf der Rückreise aus Kanada im Flugzeug vor Journalisten Bild: dpa

Viele Katholiken in Deutschland waren empört darüber, dass der Vatikan das Reformprojekt „Synodaler Weg“ kritisiert – dazu noch mit einer Erklärung, die nicht namentlich gezeichnet ist. Der Papst hat das jetzt als „Fehler“ eingestanden.

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          Papst Franziskus hat der Kritik deutscher Katholiken an der jüngsten Erklärung des Vatikans zum Reformprojekt „Synodaler Weg“ in einem Punkt recht gegeben. Es sei ein „Fehler“ gewesen, die Erklärung ohne Zeichnung des vatikanischen Staatssekretariats zu veröffentlichen, sagte er in der Nacht zum Samstag während des Rückflugs von seiner Kanada-Reise vor mitreisenden Journalisten. Dies sei aber „keine böse Absicht“ gewesen, sondern ein „Amtsfehler“, versicherte er. Das Staatsekretariat ist die  zentrale Leitungsbehörde des Vatikans.  

          Thomas Jansen
          Redakteur in der Politik.

          Das vatikanischen Presseamt hatte am 21. Juli eine Erklärung veröffentlicht, in der vor einem deutschen Sonderweg gewarnt wurde.  Der „Synodale Weg“ sei nicht befugt, eigenmächtig die katholische Lehre zu ändern und amtliche Strukturen in den Bistümern einzuführen, die eine „Bedrohung für die Einheit der Kirche“ darstellten, hieß es darin.  Das kurze Schreiben war nicht namentlich gekennzeichnet und nur als „Erklärung des Heiligen Stuhls“ deklariert.

          In Deutschland hatte die Intervention unter Bischöfen und Laien auch deshalb weithin Unverständnis und Empörung hervorgerufen. Es zeuge von „keinem guten Stil der Kommunikation innerhalb der Kirche, wenn nicht namentlich gezeichnete Erklärungen veröffentlicht werden“, äußerten der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, und die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Irme Stetter-Karp in einer Erklärung des Präsidiums des „Synodalen Weges“. Einige Bischöfe lobten die vatikanische Erklärung aber auch.

          Inhaltlich wollte sich Franziskus am Freitag nicht näher zum „Synodalen Weg“ und zu der vatikanischen Erklärung äußern. Er verwies auf seinen Brief an die deutschen Katholiken aus dem Jahr 2019, in diesem habe er „alles“ zu diesem Thema gesagt. In dem Brief hatte er die deutschen Katholiken vor einem deutschen Sonderweg gewarnt. Zugleich machte er darin deutlich, dass dies keineswegs bedeute,  „nicht voranzuschreiten, nichts zu ändern und vielleicht nicht einmal zu debattieren und zu widersprechen“. Das Präsidium des „Synodalen Weges“ hatte den Brief damals offiziell als Ermutigung durch den Papst ausgelegt. 

          Papst zu Rücktritt: „Eine ganz normale Option“

          Papst Franziskus äußerte sich während des Rückflugs aus Kanada auch zu einem etwaigen Rücktritt. „Die Tür steht offen. Das ist eine ganz normale Option“, sagte der 85-Jährige. Gerade denke er zwar nicht daran, sein Amt niederzulegen, aber das hieße nicht, dass er damit nicht übermorgen anfangen könne, sagte er weiter.

          Jorge Mario Bergoglio, wie Franziskus bürgerlich heißt, sprach auch seinen Gesundheitszustand an. In den zurückliegenden sechs Tagen konnte er kaum ein paar Schritte machen und saß die meiste Zeit im Rollstuhl. Den Papst plagt seit längerem eine Knieverletzung. „Ich denke, ich kann nicht in demselben Reiserhythmus wie zuvor weitermachen. Wenn ich an mein Alter denke und an meine Einschränkung, muss ich mich etwas schonen“, sagte er.

          Sein Knieproblem könnte mit einer Operation gelöst werden, doch Franziskus will sich nach dem vergangenen Eingriff vor etwas mehr als einem Jahr an seinem Dickdarm nicht noch einmal unters Messer legen. „Das ganze Problem ist die Anästhesie“, erklärte er. Diese habe beim letzten Mal bis heute Spuren hinterlassen. „Mit einer Anästhesie spielt man nicht“, so der 85-Jährige.

          Reisen will Franziskus nach eigenen Worten trotzdem weiter unternehmen. Man müsse diese nur vielleicht etwas kleiner planen. In Kanada besuchte er seit Sonntag die Ureinwohner, um bei ihnen für Gewalt und Missbrauch um Vergebung zu bitten, die sie als Kinder in von Kirchen geführten Internaten erlitten hatten.

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