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Franz Joseph I. von Österreich : Der ewige Kaiser

Medienkaiser: Franz Joseph I. in seiner Lieblingsresidenz Bad Ischl. Der Herrscher wusste auch die neue Technik der Fotografie virtuos zu nutzen. Bild: Schloß Schönbrunn/Sascha Rieger

Auch die Repräsentanten der Republik schmücken sich gerne mit dem berühmtesten Backenbart der österreichischen Geschichte. Franz Joseph I. ist auch hundert Jahre nach seinem Tod in Wien präsent wie eh und je.

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          Der Rahmen gleicht fast einem Staatsakt, dabei handelt es sich um eine Ausstellungseröffnung. Die Große Galerie von Schloss Schönbrunn ist mit Blumen geschmückt. Die Philharmonie Marchfeld spielt klassisches Wiener Programm. 500 geladene Gäste lauschen den einführenden Worten von Museumsleitern und wissenschaftlichen Kuratoren, moderiert vom opernballgestählten ORF-Gesellschaftsreporter Karl Hohenlohe. Die feierliche Eröffnung vollzieht kein Geringerer als Bundespräsident Heinz Fischer. Es geht schließlich um, sozusagen, einen seiner Vorgänger als österreichisches Staatsoberhaupt. Es geht um Kaiser Franz Joseph I. von Österreich.

          Stephan Löwenstein
          Politischer Korrespondent mit Sitz in Wien.

          Franz Joseph wurde 1830 in Wien, auf Schloss Schönbrunn, geboren. Im Alter von 18 Jahren bestieg er unter turbulenten Umständen den Kaiserthron. Damit herrschte er über ein Reich, das sein Wesen und seine eigentliche Gestalt erst und nur unter Franz Joseph fand, nämlich in seiner Person. 1916 starb er, auch in Schönbrunn. Der Jahrestag ist erst im November, aber er ruft schon jetzt eine Fülle von Aktionen und Publikationen hervor. In wenigen gemessenen Worten würdigte der Bundespräsident, dass die Ausstellung die Ambivalenz des Kaisers wiedergebe: Einerseits Identifikationsfigur des Vielvölkerstaates, „gleichzeitig führten seine Entscheidungen auch zum Untergang der Monarchie“. Und Fischer schlug einen Bogen in die Gegenwart, in deren herausfordernden Zeiten für das „Projekt Europa“ das historische Verständnis so notwendig sei.

          Die Ausstellung erstreckt sich über mehrere Orte in Wien und in Niederösterreich. In Schönbrunn sind Zeugnisse des Herrschers zu besichtigen, Bilder und Uniformen, Kutschen und Prachtroben. Das Wiener Hofmobiliendepot zeigt die Spanne zwischen Propaganda und Mensch. Post- und Spielkarten, Fotos und Filmaufnahmen, überall war der Kaiser präsent. Er soll die meistfotografierte Person seiner Zeit gewesen sein. Zu sehen sind aber auch Kuriosa wie seine Allerhöchste Unterhose – das Exemplar mit dem eingestickten Baujahr 1897 ging erst 2014 im Auktionshaus Dorotheum für 2500 Euro über den Tisch.

          Waidmännisches ist im Jagdschloss Niederweiden zu sehen. Dann gibt es noch eine Schau im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek, eher Papierenes von und über Franz Joseph. „Der ewige Kaiser“, heißt diese Ausstellung treffend. Auch sie wurde kürzlich von Bundespräsident Fischer gemeinsam mit dem Kanzleramtsminister Josef Ostermayer eröffnet, auch dies eine Gelegenheit, Hinz und Kunz der republikanischen Elite zu treffen.

          Auch die Galauniform des Kaisers ist der Nachwelt erhalten. Bilderstrecke
          Franz Joseph I. von Österreich : Fotografien des Kaisers

          Es gibt wissenschaftliche Werke zum bevorstehenden Jahrestag, eine Biographie des Kaisers und eine über seine Vertraute Katharina Schratt, eine Briefedition und ein Porträt der kaiserlichen Sommerfrische Bad Ischl im Salzkammergut, Bildbände und natürlich die Ausstellungskataloge. Es haben aber auch nicht weniger als drei Tageszeitungen sowie ein Wochenmagazin Geschichtshefte über Franz Joseph herausgebracht, teils in tiefer Verbeugung („Zum 100. Todestag“), teils mit kritischem Impetus („Der hilflose Monarch“). Die Hefte stoßen offensichtlich auf reges Interesse, schon wenige Tage nach Erscheinen muss man mehrere Verkaufsstellen abklappern, um noch ein Exemplar zu ergattern.

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