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Frankreichs Sozialisten : Eine Frage der Entschlossenheit

Die Wähler der bürgerlichen Mitte fanden die Aufrichtigkeit des Sozialisten aus Washington sympathisch. Sofort kletterte in Umfragen die Beliebtheit von Dominique Strauss-Kahn. Mit einem Zustimmungswert von 58 Prozent verteidigt der IWF-Generaldirektor seinen Status als beliebtester sozialistischer Politiker Frankreichs. Aber das Meinungsforschungsinstitut Ifop ermittelte auch, dass Strauss-Kahn die guten Werte vor allem den Sympathien in bürgerlichen Wählerschichten verdankt. Diese Wähler aber nehmen an den sozialistischen Vorwahlen nicht teil. Martine Aubry kommt hinter der gescheiterten Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal auf den letzten Platz in der allgemeinen Beliebtheitsskala. Die Parteivorsitzende verfügt jedoch über das größte Sympathiepotential (75 Prozent) bei den sozialistischen Anhängern.

„Martine Aubry erobert die Partei von links. Das ist eine kluge Strategie“, sagt Eric Besson, der abtrünnige Sozialist, der jetzt als Einwanderungsminister an Sarkozys Kabinettstisch sitzt. Besson war während des Vorwahlkampfs 2006 in der Sozialistischen Partei für das Wirtschaftsprogramm zuständig. „Sollte Strauss-Kahn antreten, wird er andauernd seine linke Gesinnung unter Beweis stellen müssen, gerade in der Wirtschaftspolitik“, sagt er.

Vor vier Jahren kam „DSK“ nicht gegen Ségolène Royal an

Ökonomische Kompetenz, Weltläufigkeit und Charme halfen Strauss-Kahn vor vier Jahren wenig, als er sich gegen Ségolène Royal und Laurent Fabius darum bewarb, als sozialistischer Kandidat ins Präsidentenrennen zugelassen zu werden. In den Vorwahlen erhielt er nur etwas mehr als zwanzig Prozent der Stimmen – eine bittere Niederlage. Seither versucht Strauss-Kahn, Sehnsüchte nach seiner Rückkehr zu erwecken. Eine Autorin aus seinem Mitarbeiterstab hat unter dem Namen „Kassandra“ jüngst die Medienstrategie des Sozialisten enthüllt. Kassandra zweifelt nicht daran, dass der IWF-Generaldirektor bei den Vorwahlen antritt.

Strauss-Kahn selbst sagte seinen Parteifreunden in Paris: „Wenn man euch fragt, so sagt, dass ich nachdenke.“ Aber schon regt sich Unmut über die Hinhaltetaktik. „Wer gibt eigentlich die Interviews, der IWF-Generaldirektor oder der sozialistische Präsidentenanwärter?“, murrte kürzlich „Le Monde“. „Dominique Strauss-Kahn ist zu doppeldeutig, um glaubwürdig zu sein“, schrieb die linksgerichtete Zeitung. „Strauss-Kahns Attraktivität liegt darin begründet, dass er als kosmopolitischer Sozialdemokrat auch bürgerlichen Wählern gefällt. Aber das ist seine größte Schwäche bei den Vorwahlen“, sagt der sozialistische Abgeordnete Manuel Valls, der bei den Vorwahlen kandidiert.

„Martine Aubry hat bisher keinen Fehler begangen“, sagt Valls. Die nüchterne Parteivorsitzende hat seit ihrer denkbar knappen Wahl im November 2008 Zank und Streit Einhalt geboten, Grüne und Kommunisten als Verbündete zurückgewonnen und Sarkozys Partei bei den Regionalwahlen ein Debakel bereitet. Jetzt nutzt die Tochter des früheren EU-Kommissionspräsidenten Jacques Delors die Rentenreform, sich als Fürsprecherin der sozial Schwächeren und der Beamten zu profilieren. Und anders als ihr Vater, den „besten Präsidenten, den Frankreich nie hatte“, wird sie sich nicht zieren, für das höchste Staatsamt zu kandidieren.

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