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Von Eltern und Lehrern : Heftige Kritik an Frankreichs Corona-Strategie für Schulen

  • Aktualisiert am

Emmanuel Macron, Präsident von Frankreich, spricht während eines Schulbesuchs in Melun mit Schülern. Bild: dpa

Im Unterschied zu Deutschland werden Schüler in Frankreich nicht regelmäßig getestet. Außerdem werden Klassen nicht geschlossen – selbst wenn mehrere Schüler infiziert sind. Eltern und Lehrer sind erbost über das Laissez-faire der Regierung.

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          „Die französische Regierung hat immer gesagt, dass die Schulen offen bleiben. Aber niemand hat gesagt, ob auch Lehrer und Schüler drin sein sollen.“ So fasste ein genervter Vater kürzlich die Lage an den Schulen auf Twitter zusammen. Seit dem Ende der Weihnachtsferien zieht das Coronavirus nahezu ungehindert durch Frankreichs Schulen. Und die Regierung reagiert darauf nach Ansicht vieler Lehrer und Eltern mit einer Mischung aus Nonchalance und Inkompetenz.

          Im Unterschied zu Deutschland werden Schüler in Frankreich nicht großflächig und regelmäßig getestet. Bildungsminister Jean-Michel Blanquer erklärt immer wieder, dass die Schulen bei der Verbreitung des Virus keine besondere Rolle spielten. „Uns geht es in erster Linie darum, dass die Schulen offen bleiben“, bekräftigte Blanquer am Dienstag.

          Seit Jahresbeginn haben sich bereits drei Mal die Vorschriften für den Umgang mit dem Coronavirus an den Schulen geändert. Am letzten Ferientag hatte Blanquer die neuen Regeln in einem Zeitungsinterview hinter einer Bezahlschranke verkündet – noch bevor die Schulen informiert wurden. 

          Keine Klassenschließung

          Frankreich verzichtet seitdem darauf, Klassen zu schließen, selbst wenn es mehrere positive Fälle unter den Schülern gibt. Laut Covidtracker, einer Website, die offizielle Daten auswertet, beträgt das Risiko, in einer Schulklasse mindestens einen infizierten Menschen zu haben, derzeit mehr als 40 Prozent.

          In den vergangenen Tagen mussten Eltern ihre Kinder bei einem Covid-Fall in der Klasse umgehend abholen und in einer Apotheke testen lassen. Das Ergebnis: Riesige Warteschlangen vor den Apotheken, in vielen von ihnen gingen die Tests aus.

          Medienberichten zufolge standen im Bildungsministerium die Telefone nicht mehr still, so viele Beschwerden gab es. Auch der Vorsitzende der Nationalversammlung, Richard Ferrand, der selbst infiziert war, soll sich beschwert haben, weil er Schwierigkeiten hatte, einen PCR-Termin oder Selbsttests zu bekommen.

          Neuerdings reicht ein Selbsttest

          Das Programm der langen Schlangen hat Premierminister Jean Castex flott gelöst: Seit Dienstag müssen Schüler nur noch Selbsttests zu Hause machen, wenn ein Klassenkamerad positiv ist.  

          „Ich denke, es gibt ein Risiko, weil viele Eltern ihre Kinder in die Schule zurückschicken wollen, damit sie arbeiten gehen können“, meint Franck Mezrahi, Vater eines Schulkindes im 19. Pariser Arrondissement. „Die Frage ist, ob die Eltern ihre Kinder zuhause tatsächlich testen“, meint auch Colin Berger, Mutter eines Schulkindes. 

          Unter den Lehrern wächst der Ärger über die Regierung. Viele von ihnen haben Angst, sich bei den Schülern anzustecken. Das Bildungsministerium hat angekündigt, Lehrer bis Ende Januar mit chirurgischen Masken auszustatten – nicht aber mit FFP2-Masken, wie von vielen gefordert. Der Einsatz von CO2-Messgeräten oder Luftreinigern in Schulen wird noch nicht einmal öffentlich debattiert. 

          Eltern unterstützen den Lehrer-Streik

          Für Donnerstag haben mehrere Gewerkschaften zu einem Streik aufgerufen. Lehrerstreiks sind in Frankreich keine Seltenheit, aber dieses Mal werden sie sogar von Elternvertretern unterstützt. 

          Die Opposition schimpft ebenfalls. „Ein völliges Chaos“, meint der Fraktionschef der Republikaner im Senat, Bruno Retailleau. Der Grünen-Präsidentschaftskandidat Yannick Jadot wirft der Regierung „mangelnde Planung und mangelnden Respekt für Eltern und Lehrer“ vor. 

          Was in Frankreich noch schlechter funktioniert als in Deutschland, ist der digitale Unterricht. Wo viele Lehrer noch immer über ein Korrespondenzheft handschriftlich mit Eltern kommunizieren, ist die Bereitschaft zu Video-Unterricht nicht sonderlich ausgeprägt. Statt dessen gibt es dann Arbeitszettel, die die Kinder unter der Aufsicht ihrer Eltern ausfüllen sollen. Da passt es ja, dass viele Eltern derzeit ohnehin im Homeoffice sind.

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