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Vandalismus in Frankreich : Ein Misthaufen ist noch harmlos

Proteste der „Gelbwesten“-Bewegung am 16. März auf den Champs-Elysées Bild: AP

In Frankreich werden Abgeordnete der Partei von Präsident Macron immer häufiger zur Zielscheibe von Vandalismus und Drohungen. Nicht alle Täter sind „Gelbwesten“.

          Frankreich erlebt eine neue Welle des Vandalismus gegen Büros von Abgeordneten der Präsidentenpartei La République en marche (LREM). In der Nacht zu Freitag wurde in Toulouse die Eingangstür zum Bürgerbüro der LREM-Abgeordneten Corinne Vignon mit Betonblocksteinen versperrt. In der nahe gelegenen Kleinstadt Tournefeuille wurden zur gleichen Zeit zwei Tonnen Mist vor das Büro der Abgeordneten Monique Iborra gekippt.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Ein Sprecher des Bauernverbandes FNSEA sagte, die beiden Abgeordneten hätten die Wünsche der Landwirte ignoriert, deshalb dürften sie nicht länger Volksvertreter bleiben. Die Wut der Landwirte richtet sich gegen das Handelsabkommen der EU mit Kanada, das die Regierungsmehrheit bei einer Abstimmung am 23. Juli in der Nationalversammlung gebilligt hat. Die Aktionen der entrüsteten Bauern sollen die LREM-Abgeordneten treffen, die dem Handelsabkommen zustimmten.

          „Mein Büro bleibt geöffnet“

          Unbekannte Täter zielten auch auf den LREM-Parteichef Stanislas Guérini ab. In der Nacht zu Donnerstag wurde sein Bürgerbüro mit Graffiti beschmiert und die Fenster wurden eingeschlagen. Guérini hatte zuvor seine Solidarität mit den Abgeordneten bekundet, deren Büros von aufgebrachten Landwirten oder Anhängern der „Gelbwesten“-Bewegung beschädigt worden waren. „Mein Büro bleibt weiterhin für alle geöffnet, die den Dialog suchen“, schrieb Guerini auf Twitter. Die Serie der Übergriffe auf „Orte der Demokratie“ sei leider schon viel zu lang. „Ich bedauere das“, so Guerini.

          Innenminister Christophe Castaner bezeichnete die Übergriffe als „Attentate“. Er bezog sich dabei vor allem auf einen versuchten Brandanschlag auf ein Abgeordnetenbüro in Perpignan. „Es handelt sich um ein Attentat, weil die Täter vorsätzlich Benzinkanister gekauft haben. Sie haben nach dem Leben des Abgeordneten getrachtet, der zum Bürgergespräch in seinem Büro saß“, sagte der Innenminister. Er besuchte den betroffenen LREM-Abgeordneten Romain Grau in Perpignan.

          Gewerkschaften unterstützen die Aktionen

          Grau kam mit einem Schrecken davon, er konnte den Brandherd mit einem Feuerlöscher schnell unter Kontrolle bringen. Am Rande einer „Gelbwesten“-Demonstration mit etwa 200 Protestierenden in Perpignan waren die vermummten Täter zu seinem Wahlkreisbüro gezogen, hatten die Scheiben eingeschlagen und Benzin vergossen. In den vergangenen Tagen haben sich Angriffe auf Abgeordnetenbüros gehäuft.

          Acht LREM-Abgeordnete erstatteten allein in der Bretagne Anzeige, weil ihre Büros von aufgebrachten Landwirten beschädigt wurden. Die Landwirte werden von den Bauerngewerkschaften in ihrem Vorgehen unterstützt. Bislang haben sich die Sprecher des Bauernverbands FNSEA und der Gewerkschaft „Jeunes Agriculteurs“ geweigert, die Aktionen zu verurteilen. Landwirtschaftsminister Didier Guillaume kritisierte diese Haltung der Gewerkschaften.

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