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Frankreich : „Wir wollen nicht in Afghanistan bleiben“

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Douste-Blazy: „Es gibt keine Pläne, das Land langfristig zu besetzen” Bild: REUTERS

In großer Sorge um zwei Geiseln in Afghanistan haben Frankreichs Außenminister Douste-Blazy und Innenminister Sarkozy einen Truppenabzug aus dem Land in Aussicht gestellt. Die Präsenz am Hindukusch dürfe nicht dauerhaft werden.

          Der französische Außenminister Douste-Blazy hat gesagt, die französischen Truppen würden nicht auf lange Sicht in Afghanistan bleiben. „Es gibt keine Pläne, das Land langfristig zu besetzen“, sagte Douste-Blazy. Das würde gegen die französischen Prinzipien von Souveränität, nationaler Unabhängigkeit und territorialer Integrität verstoßen. Frankreich werde „alles unternehmen“, um die zwei französischen Geiseln in Afghanistan zu retten, sagte der Außenminister am Freitag in Paris.

          An diesem Samstag läuft das Ultimatum der den Taliban zuzuordnenden Geiselnehmern ab. Sie hatten am 20. April von Frankreich verlangt, binnen einer Woche die mehr als 1000 französischen Soldaten aus Afghanistan abzuziehen und „im Austausch“ gegen die Freilassung der beiden entführten Franzosen „politische Gefangene“ aus afghanischen Gefängnissen zu befreien. Die beiden Mitarbeiter der Hilfsorganisation „Terre d'Enfance“, eine Frau und ein Mann, waren am 3. April mit ihren drei afghanischen Begleitern im Südwesten Afghanistans verschleppt worden.

          Geiseln angeblich bei guter Gesundheit

          Auch der rechtsbürgerliche Präsidentschaftskandidat Sarkozy sprach sich am Donnerstagabend für einen langfristigen Truppenabzug aus Afghanistan aus. Die französische Präsenz am Hindukusch dürfe nicht dauerhaft werden. Die sozialistische Kandidatin Royal hatte es hingegen im Fernsehen abgelehnt, sich zu dem Fall zu äußern. Sie wolle das Leben der Geiseln nicht gefährden.

          Französische Hilfsorganisationen haben an die Geiselnehmer appelliert, „Eric und Celine am Leben zu lassen“. Staatspräsident Chirac hat mehrere Male den afghanischen Präsidenten Karzai um Hilfe gebeten. Ein Video, das die Taliban den französischen Behörden zugespielt hatten, zeigte die beiden Entführten verängstigt und geschwächt. Am Donnerstag teilten die Entführer mit, die Franzosen seien bei guter Gesundheit. Sie forderten den Abzug der französischen Soldaten.

          Teilabzug schon im vergangenen Jahr

          Frankreich hat sich nach den Terroranschlägen vom 11. September sofort der amerikanischen Initiative angeschlossen, das Taliban-Regime in einem Militäreinsatz unter UN-Mandat zu stürzen und an der Befriedung des Landes mitzuwirken. Etwa 1100 französische Soldaten beteiligen sich weiterhin an der internationalen Schutztruppe Isaf. Sie sind nahe und in der Hauptstadt Kabul stationiert.

          Auf wiederholten Wunsch der Verbündeten hat Chirac zugestimmt, dass französische Kampfflugzeuge und Soldaten auch in anderen Landesteilen zum Einsatz kommen können, wenn ihre Hilfe unbedingt erforderlich ist. Frankreich hat hingegen Ende vergangenen Jahres seine etwa 200 Mann Spezialtruppen abgezogen, die zur Fahndung nach dem Al-Qaida-Führer Bin Ladin eingesetzt waren.

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