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2000 Jugendliche angetreten : Pflichtdienst für Frankreich

Präsident Macron hat vier Ziele für den „Dienst an der Nation“ formuliert. So soll der nationale Zusammenhalt gestärkt werden, in dem sich die jungen Leute für das Wohl des Landes engagieren. Zudem soll die soziale und territoriale Durchmischung gefördert werden. Der Dienst an der Nation soll Orientierungshilfen für den weiteren Lebensweg der Jugendlichen bieten. Als viertes Ziel hat Macron genannt, dass die mit dem nationalen Dienst verbundenen Reisen zu einer besseren Landeskunde und Kenntnis der Kulturschätze beitragen.

Ein wenig Spaß sollen die jungen Leute aber auch haben. So stand gleich zum Auftakt am Montagabend ein Weltmeisterschaftsspiel der Frauennationalmannschaft auf dem Pflichtprogramm. Die Freiwilligen sollen vor dem Bildschirm aber nicht nur die Fußballerinnen in Blau anfeuern. Wie Staatssekretär Attal erläuterte, schloß sich an die Übertragung eine Debatte über Gleichberechtigung von Mann und Frau an. Jeden Abend sollen die Jugendlichen über gesellschaftliche Fragen von Klimawandel über Tierschutz bis zur Diskriminierung sexueller Minderheiten diskutieren. Auch Ausflüge zu nahegelegene Kulturstätten, Sport und Begegnungen mit Franzosen, die sich für das Gemeinwohl engagieren, sind geplant. Den ersten Testlauf werten Forscher der nationalen Statistikbehörde Injeb aus.

Die Kosten für den neuen Pflichtdienst schätzt Attal auf 2000 Euro pro Teilnehmer. Reise- und Verpflegungskosten werden komplett übernommen. Im nächsten Jahr sollen bereits 40.000 Jugendliche ihren Frankreich-Dienst absolvieren. Wenn dann ein ganzer Jahrgang von 800.000 Franzosen den Dienst antritt, könnte dies mit mindestens 1,6 Milliarden Euro für die Staatskasse zu Buche schlagen. Attal sagte, er hoffe dennoch, dass der verpflichtende Dienst schon vor 2026 eingeführt werde. Ausnahmen wie früher bei der Wehrpflicht soll es nicht geben. Die Regierung plant, die Teilnahme zur Bedingung für die Zulassung zur Abiturprüfung und zur Führerscheinprüfung zu machen. Das wirke besser als andere Sanktionen.

Schon jetzt kritisieren die wichtigsten Studentenorganisation den „Dienst an der Nation“. „Wir teilen die Einschätzung der Regierung, dass es an sozialer Durchmischung mangelt“, sagte die Vorsitzende der Studentengewerkschaft Fage, Orlane Francois. „Aber die zwei Wochen Kasernenstimmung können nur die Nostalgiker der Wehrpflicht zufrieden stellen, nicht aber die Jugendlichen, die doch die Hauptbetroffenen sind“, sagte sie. Es werde sehr viel Geld für den neuen Dienst zur Verfügung gestellt, während die Universitäten unter ständigen Sparmaßnahmen zu leiden hätten.

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