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Frankreich : Unbekannte Drohnen überfliegen Kernkraftwerke

Auch über dem Atomkraftwerk in Fessenheim nahe der deutschen Grenze sollen in den vergangenen Tage Überflüge stattgefunden haben. Bild: dpa

Frankreich ist alarmiert: Abermals haben Drohnen unbekannter Herkunft zwei französische Atomreaktoranlagen überflogen. Spezialeinheiten haben inzwischen die Order erhalten, die Flugobjekte „zu neutralisieren“.

          In der Nacht zum Freitag haben abermals Drohnen zwei französische Atomreaktoranlagen in Penly (Seine-et-Marne) und Golfech (Tarn-et-Garonne) überflogen. Erst am Vortag hatte der französische Elektrizitätskonzern EDF, der die 58 Reaktoren betreibt, Anzeige wegen Drohnenflügen über einem Dutzend eigentlich durch ein Überflugverbot geschützten Atomanlagen erstattet.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Innenminister Bernard Cazeneuve sagte im Nachrichtensender France Info am Freitag, die Klärung der Vorfälle dauere an. Die Spezialeinheiten der Gendarmerie, die seit 2007 zur Überwachung der Nuklearanlagen eingesetzt sind, haben inzwischen Order erhalten, die Flugobjekte „zu neutralisieren“.

          Greenpeace weist Verdächtigungen zurück

          Die Umweltschutzorganisation Greenpeace äußerte sich „zutiefst beunruhigt“. EDF und die staatlichen Sicherheitsbehörden erwiesen sich außerstande, die Drohnenüberflüge zu verhindern. Den Verdacht, Greenpeace könne hinter der Aktion stehen, wies Sprecher Yannick Rousselet entschieden zurück. Auch bei EDF wird in Zweifel gezogen, dass eine Anti-Atomkraftorganisation hinter den konzertierten Überflügen stehen könnte. Einrichtungen der staatlichen Atomenergiebehörde CEA in Saclay bei Paris waren ebenfalls überflogen worden. Drohnen wurden über den Atomkraftwerken in Creys-Malville, Gravelines, Cattenom, Le Blayais, Bugey, Chooz und Nogent-sur-Seine gesichtet.

          Auch über dem AKW in Fessenheim sollen Überflüge stattgefunden haben. Eigentlich herrscht ein striktes Verbot, die Reaktoranlagen in einem Umkreis von fünf Kilometern zu überfliegen. Ein EDF-Sprecher versuchte, die Aufregung am Freitag zu besänftigen. Es seien keine Schäden durch die Drohnen entstanden. Greenpeace-Aktivisten hatten im Mai 2012 eine Drohne benutzt, um den Überflug einer ihrer Mitglieder mit einem Gleitschirm über dem Atomkraftwerk Bugey im Osten des Landes zu filmen. Sprecher Rousselet betonte, die Aufnahmen seien umgehend der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden. Schon damals wollte Greenpeace auf Sicherheitsmängel bei französischen Atomkraftwerken aufmerksam machen. Zuletzt sind Greenpeace-Aktivisten im Juli in die Reaktoranlage Tricastin in Südfrankreich eingedrungen. Die eigentlich zur Überwachung abgestellten Gendarmen waren zum Radrennen Tour de France ab beordert worden.

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