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Frankreich : Ein Buch bringt das Establishment unter Verdacht

Ein Werk mit Sprengkraft: Am 7. Januar erscheint das Werk von Camille Kouchner „La familia grande“. Sie wirft darin ihrem Stiefvater vor, er habe ihren Bruder jahrelang missbraucht. Bild: AFP

Die Tochter eines ehemaligen Ministers veröffentlicht ein Buch. Darin erhebt sie schwere Missbrauchsvorwürfe gegen ihren Stiefvater. Die Affäre erschüttert die Pariser Elite.

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          Der Mediziner Bernard Kouchner hat als Mitbegründer der Hilfsorganisation Médecins Sans Frontières den Friedensnobelpreis erhalten, als Gesundheits- und später als Außenminister prägte der Sozialist die französische Politik. Jetzt steht der 81 Jahre alte Mann wegen einer sehr privaten Affäre im Rampenlicht. Seine Tochter Camille Kouchner enthüllt in dem ab dem 7. Januar im Handel erhältlichen Buch „La familia grande“, dass ihr Zwillingsbruder Antoine (Victor im Buch) jahrelang vom Stiefvater Olivier Duhamel sexuell missbraucht worden sei. Die Staatsanwaltschaft hat wegen des Verdachts der Vergewaltigung und des sexuellen Missbrauchs inzwischen Ermittlungen aufgenommen; die Sondereinheit im Kampf gegen Kindermissbrauch soll sich mit dem Fall befassen.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Der Skandal erschüttert die kleine Welt der Pariser Führungselite, die sich einmal monatlich im vornehmen Cercle de l’Union interalliée am Faubourg-Saint-Honoré trifft, nur einen Steinwurf vom Elysée-Palast und der britischen Botschafterresidenz entfernt. Zu den Abendessen des “Le Siècle“ genannten „mächtigsten Clubs Frankreichs“, finden sich all jene ein, die Rang oder Geld haben: Unternehmenskapitäne wie Jean-Paul Agon (L’Oréal) oder Delphine Arnault (LVMH), Banker wie Michel Pébereau und Philippe Oddo und Minister, führende Oppositionspolitiker, Journalisten und Schriftsteller. Geleitet wird „Le Siècle“ von Olivier Duhamel, ebenjenem Stiefvater, der Antoine Kouchner jahrelang gepeinigt haben soll.

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