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Streit in Frankreich : Keine Europaflagge mehr am Triumphbogen

Streitobjekt: Die Europaflagge unter dem Triumphbogen in Paris am 1. Januar 2022. Bild: AFP

Der französische Präsident Macron hat anlässlich der EU-Ratspräsidentschaft seines Landes die Europaflagge am Triumphbogen in Paris hissen lassen. Das kritisieren nicht nur Rechtsextremisten als „Auslöschen französischer Identität“.

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          Über dem Grab des Unbekannten Soldaten am Pariser Triumphbogen flattert nicht länger die blaue Europafahne mit den gelben Sternen. Die Regierung hat sie wieder abmontieren lassen. Damit ist aber die Aufregung darüber nicht abgeebbt, dass der symbolträchtige Bogen zum Auftakt der französischen EU-Ratspräsidentschaft europäisch beflaggt wurde. Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen feierte das Verschwinden der EU-Flagge umgehend als „schönen patriotischen Sieg“. Zuvor hatte sie in dem blauen Tuch eine „Provokation, die jene beleidigt, die für Frankreich gekämpft haben“ ausgemacht. Sie sei „entrüstet, dass die französische Flagge über dem Grab des Unbekannten Soldaten durch die EU-Flagge ersetzt worden sei“. Le Pen forderte Präsident Macron auf, „unsere nationale Flagge“ wieder zu hissen.

          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Sie erweckte den Anschein, als sei der Triumphbogen ständig beflaggt, dies ist aber nicht der Fall. Nur an besonderen Feiertagen wie am 14. Juli oder zum Kriegsgedenken am 11. November hängt die Trikolore-Flagge an dem von Napoleon 1806 in Auftrag gegebenen Bogen. Zustimmung erhielt Le Pen vor allem aus der Linkspartei La France Insoumise (LFI). Der LFI-Abgeordnete Bastien Lachaud bezeichnete die Beflaggung als „Fehler“. „Der unbekannte Soldat ist nicht für Brüssel gestorben“, sagte er. Europäer wie Macron würden die Geschichte umschreiben und damit Anhängern des Nazi-Kollaborateurs Philippe Pétain die Gelegenheit eröffnen, sich mit ihrem Frontmann Eric Zemmour als wahre Patrioten vorzustellen. Der linke Präsidentschaftskandidat Jean-Luc Mélenchon (LFI) monierte am Montag im Radiosender France Info, Präsident Macron habe sich über das Ergebnis des Europareferendums 2005 einfach hinweg gesetzt.

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