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Frankreich schließt Botschaften : Furcht vor neuen Unruhen in der islamischen Welt

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Polizeischutz für das Satire-Magazin „Charlie Hebdo“ in Paris Bild: Reuters

Frankreich schließt wegen der Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen durch die Satire-Zeitung „Charlie Hebdo“ an diesem Freitag seine Botschaften in 20 Ländern. Es sei nicht „intelligent“, in diesem Moment Öl ins Feuer zu gießen, sagte Außenminister Fabius.

          Nach der Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen durch das Satire-Magazin „Charlie Hebdo“ befürchtet die französische Regierung eine Eskalation der antiwestlichen Unruhen in der islamischen Welt. Außenminister Laurent Fabius entschied, an diesem Freitag französische Botschaften und Schulen in 20 überwiegend muslimischen Ländern zu schließen. Es sei nicht „intelligent“ gewesen, zum jetzigen Zeitpunkt „Öl ins Feuer zu gießen“, sagte Fabius, der gerade von einer Ägypten-Reise zurückgekehrt ist. „Mir macht das große Sorgen.“

          Die amerikanische Regierung kritisierte die neuen Mohammed-Karikaturen. „Wir haben natürlich Fragen bezüglich der Weisheit, so etwas zu veröffentlichten“, sagte Regierungssprecher Jay Carney am Mittwoch in Washington. Es sei klar, dass die Bilder beleidigend seien und möglicherweise Unruhen auslösten. Gleichzeitig stünden die Vereinigten Staaten aber für die Meinungsfreiheit ein. „Wir stellen nicht das Recht infrage, so etwas zu publizieren; wir stellen nur die Weisheit hinter der Entscheidung infrage“. Dennoch sei jegliche Gewalt als Reaktion auf die Veröffentlichung ungerechtfertigt.

          Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen versicherte unterdessen im Gespräch mit der F.A.Z., dass die Afghanistan-Strategie der Allianz wegen der jüngsten Unruhen nicht verändert werde. „Es bleibt dabei: Ende 2014 endet unser Kampfeinsatz“, sagte Rasmussen. Dass immer wieder afghanische Sicherheitskräfte Isaf-Soldaten bei gemeinsamen Einsätzen töteten, habe verschiedene Gründe: „Manchmal ist der Anlass persönlicher Ärger, manchmal stecken die Taliban dahinter“, sagte Rasmussen. Die Isaf habe geeignete Gegenmaßnahmen ergriffen.

          Rasmussen verteidigte die Meinungsfreiheit als „Kern der demokratischen Staatsform“, plädierte aber zugleich für Religionsfreiheit und religiöse Toleranz. „Am wichtigsten ist, dass verantwortlich handelnde Politiker alles tun, um die Gemüter zu beruhigen und Gewalttaten zu verhindern“, sagte der Nato-Generalsekretär und lobte die schnelle Reaktion der libyschen Regierung nach dem Mordanschlag auf den amerikanischen Botschafter in Benghasi.

          Seit gut einer Woche kommt es in der islamischen Welt zu gewalttätigen antiwestlichen Protesten, deren Anlass ein Schmähvideo mit dem Titel „Die Unschuld der Muslime“ ist. Auch in Paris ist die Stimmung aufgeheizt. An diesem Wochenende sind neue Proteste geplant. Am vergangenen Samstag wurde eine Protestveranstaltung aufgelöst. Nach Aufrufen salafistischer Gruppierungen über Twitter und Facebook hatten sich Demonstranten auf dem Place de la Concorde unweit der amerikanischen Botschaft versammelt. Die Polizei hat Versammlungen in der Nähe von amerikanischen Vertretungen untersagt.

          Frankreichs Außenminister Laurent Fabius nennt es „nicht intelligent“, in diesem Moment Mohammed-Karikaturen zu veröffentlichen

          Der französische Innenminister Valls sagte nach einem Treffen mit den Repräsentanten des französischen Islamrates CFCM, es würden keine nicht genehmigten Demonstrationen geduldet. Der Rektor der Großen Moschee von Paris, Dalil Boubakeur, rief am Mittwoch zu Ruhe und Besonnenheit auf. Er habe die Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen mit „großem Erstaunen, Traurigkeit und Beunruhigung“ aufgenommen und fürchte, dass dies die „allgemeine Entrüstung“ in der muslimischen Welt weiter anstacheln werde. Die Al-Azhar-Universität in Kairo, die wichtigste sunnitische Hochschule der islamischen Welt, kritisierte die Karikaturen als „ Angriff auf den Islam und den Propheten“.

          Die französische Regierung entsandte Sonderheiten der Polizei zum Schutz der Redaktionsräume von „Charlie Hebdo“. Vor knapp einem Jahr war das Verlagsgebäude durch einen Brandanschlag zerstört worden, nachdem das linke Satiremagazin eine Sondernummer „Scharia Hebdo“ veröffentlicht hatte. Ein Hackerangriff legte am Mittwoch die Internetseite des Magazins lahm. „Wir veröffentlichen Karikaturen über jeden und alles jede Woche. Wenn es aber um den Propheten geht, wird es Provokation genannt“, sagte der sich „Charb“ nennende Redaktionsdirektor von „Charlie Hebdo“. Die gedruckte Ausgabe war nach Angaben der Redaktion schon am Mittwoch vergriffen. Es solle eine Sonderauflage von weiteren 75000 Exemplaren gedruckt werden und am Freitag an den Kiosken ausliegen.

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