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Frankreich : Sarkozys Spendenaffäre

In Bedrängnis: Nicolas Sarkozy Bild: REUTERS

Die Aussage einer Buchhalterin bringt Präsident Sarkozy in Bedrängnis: „Claire T.“ schildert in einer Internetzeitung, wie ihre ehemalige Vorgesetzte, die L'Oréal-Erbin Liliane Bettencourt, illegal die Wahlkampfmaschinerie Sarkozys finanziert habe.

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          Jetzt hat die Buchhalterin der reichsten Frau Frankreichs ausgesagt. Sie heißt Claire T. und was sie im Verhör zu Protokoll gab, droht den Gerichtsstreit um die geistige Verfassung der L’Oréal-Erbin Liliane Bettencourt vollends zur Staatsaffäre mit unabsehbaren Folgen auszuweiten. Denn jetzt geht es nicht länger darum, ob sich die spendable Witwe von dem dubiosen Dandy Francois-Marie Banier ausnehmen ließ – jetzt ist zu prüfen, ob Madame Bettencourt illegal die Wahlkampfmaschinerie Nicolas Sarkozys finanziert hat. Im Gegenzug sollen die staatlichen Steuerbehörden die Multimillionärin von Steuerprüfungen verschont haben.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Nichts anderes hat Buchhalterin Claire T. vor den Ermittlern behauptet. Dass ganz Frankreich am Dienstag davon erfährt, liegt am Investigationsdrang der Journalisten von „Mediapart“, einer Internetzeitung, die vom ehemaligen Redaktionsleiter von „Le Monde“, Edwy Plenel, gegründet wurde. „Mediapart“ hat gleich nach dem Verhör durch die Kriminalpolizei am Montag mit der resoluten Buchhalterin gesprochen, die von Mai 1995 bis zur ihrer Entlassung im November 2008 pingelig Buch über die Ausgaben und Einnahmen im Hause Bettencourt führte.

          Ihr wurde nicht wegen Unregelmäßigkeiten gekündigt, sondern weil sie Bettencourts einzige Tochter Francoise durch eine Zeugenaussage in ihrem Ansinnen unterstützt hatte, gegen Francois-Marie Banier wegen „Ausnutzung der Schwäche“ der 87 Jahre alten Liliane Bettencourt gerichtlich vorzugehen. „Ich war schockiert darüber, dass Liliane Bettencourt in die Hand von Leuten gefallen ist, die nur darauf aus sind, sie ihres Habs und Guts zu berauben“, sagte die Buchhalterin. Das verbindet sie mit dem Butler Pascal B., der aus Unmut über die Habgier in Bettencourts Entourage heimlich die Gespräche in ihrem Salon mit einem Diktiergerät aufzeichnete. Die Aufnahmen – auf insgesamt 28 CD-ROMs gebrannt – werden jetzt vor Gericht als mögliche Beweisstücke ausgewertet.

          Unter Verdacht: L'Oréal-Erbin Liliane Bettencourt
          Unter Verdacht: L'Oréal-Erbin Liliane Bettencourt : Bild: dpa

          „Es ist höchste Zeit zu sagen, was passiert ist“

          Claire T. sah, wer in der vornehmen Villa der Kosmetikdynastie in Neuilly-sur-Seine ein und – um einen Umschlag reicher – aus ging. „Ich habe es satt, all diese Leute zu sehen, die sich ihrer Verantwortung nicht stellen wollen und Unsinn erzählen. Es ist höchste Zeit zu sagen, was passiert ist“, sagte Claire T. Im Hause Bettencourt sei es Tradition gewesen, Politiker der rechtsbürgerlichen Parteien mit Geldspenden zu unterstützen. Ehemann André Bettencourt habe sich als ehemaliger Senator und Minister zu diesen „Aufmerksamkeiten“ verpflichtet gefühlt. Im Präsidentschaftswahlkampf 2007 aber habe Monsieur Bettencourt aufgrund seiner schweren Erkrankung – er starb im November 2007 – seinen Vermögensverwalter Patrice de Maistre gebeten, „sich um die Politiker zu kümmern“.

          Jener Patrice de Maistre, der später die Frau des Haushaltsministers Eric Woerth, Florence Woerth, für ein Monatsgehalt von 13.000 Euro plus Zulagen in seiner Vermögensverwaltungsfirma einstellen sollte, übernahm also die vorher vom Hausherrn versehene Aufgabe, Geld an bestimmte Politiker zu verteilen. Der Schatzmeister der Präsidentenpartei UMP, Eric Woerth, soll zu den Begünstigten gezählt haben. Das Gesetz über die Parteienfinanzierung erlaubt derartige Geldspenden von Privatpersonen nur bis zu einem Höchstbetrag von 7500 Euro im Jahr.

          50.000 Euro reichte nicht als Wahlkampfspende für Sarkozy

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