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Demonstrationen in Frankreich : „Rotschals“ fordern Ende der Krawalle

„Rotschals“ demonstrieren am Samstag gegen Gewalt in Paris Bild: EPA

Die „Rotschals“ haben sich in Frankreich als Gegenbewegung zu den „Gelbwesten“ gebildet und sind am Sonntag gegen Gewalt und für Demokratie auf die Straße gegangen. Eine Steuerung durch die Regierung verneinen sie.

          Nach dem elften Protestsamstag der „Gelbwesten“ in Folge haben am Sonntag in Paris Franzosen für Toleranz, Freiheit und den Schutz der Demokratie demonstriert. Sie trugen als Erkennungszeichen einen roten Schal. Die Demonstranten zogen mit Spruchbändern wie „Stopp der Gewalt!“ oder „Stopp, es reicht!“ vom Platz der Nation zum Platz der Bastille. Den „Rotschals“ hatten sich auch etliche Abgeordnete der Regierungspartei La République en marche (LREM) angeschlossen. Mehr als 50 Abgeordnete aus der Regierungspartei sind in den vergangenen Wochen bedroht worden und erlitten Sachbeschädigungen an ihren Abgeordnetenbüros oder Privatwohnungen. Der LREM-Abgeordnete Sylvain Maillard sagte, die Proteste der „Gelbwesten“ müssten jetzt aufhören. Es sei an der Zeit, sich an der von Präsident Emmanuel Macron angestoßenen nationalen Debatte zu beteiligen.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Die Idee zu der Gegenbewegung geht auf den 51 Jahre alten Luftfahrtingenieur Laurent Soulié aus Toulouse zurück. „Wir wollen nicht als Gegner der ,Gelbwesten‘ wahrgenommen werden. Wir wollen die Franzosen alarmieren, wohin die Entgleisungen und Gewalttaten führen können, die wir seit zehn Wochen erleben“, sagte Soulié in einem Gespräch mit dem Radiosender Europe 1. Die Proteste der „Gelbwesten“ führten Frankreich in eine Sackgasse. Soulié hatte 2017 Emmanuel Macron gewählt und sich dessen Bewegung angeschlossen. Der Luftfahrtingenieur sagte, er habe unzählige Drohungen über das Internet erhalten, sei aber entschlossen, seine Ideen zu verteidigen. Er werde nicht von Macron gesteuert, sondern sei über das Ausmaß an Hass und Zerstörungswut aufrichtig besorgt. Es gehe darum, die Freiheiten aller Bürger zu verteidigen. Die „schweigende Mehrheit“ der Franzosen hätte es satt, jeden Samstag von Neuem mit Bildern der sinnlosen Sachbeschädigung konfrontiert zu werden, sagte Soulié.

          69.000 „Gelbwesten“ am Samstag auf den Straßen

          Die Regierungspartei LREM rief nicht dazu auf, die Demonstration der „Rotschals“ zu unterstützen. Der LREM-Vorsitzende Stanislas Guérini begründete dies damit, dass er auf den Erfolg der nationalen Debatte hoffe. Es solle alles vermieden werden, das Land noch weiter zu spalten. Bildungsminister Jean-Michel Blanquer, der die Demonstration zunächst begrüßt hatte, sagte seine Teilnahme ab. Genaue Teilnehmerzahlen gab es vorerst noch nicht.

          Am Samstag waren in ganz Frankreich wieder etwa 69.000 „Gelbwesten“ auf die Straße gezogen. In Paris demonstrierten laut Angaben des Innenministeriums 4000 Menschen. Am Bastille-Platz kam es zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten. Nach Angaben der Präfektur wurden 22 Menschen festgenommen. Während der Ausschreitungen am Bastille-Platz setzte die Polizei Tränengas und einen Wasserwerfer ein, um Demonstranten zurückzudrängen, die Geschosse auf Polizisten warfen. Jérôme Rodrigues, einer der Wortführer der „Gelbwesten“, wurde schwer am Auge verletzt.

          Die Vorsitzende des Rassemblement National, Marine Le Pen, kritisierte den Polizeieinsatz scharf. „Ordnung bedeutet nicht die Verstümmelung von politischen Gegnern und den unvernünftigen Einsatz von Gewalt durch das Regime Macron“, schrieb Le Pen auf Twitter. Einer der Initiatoren der „Gelbwesten“-Bewegung, Eric Drouet, rief nach der Augenverletzung Rodrigrues’ zu einem „Aufstand ohnegleichen“ auf. „Alle Mittel“ seien nun rechtens, um die Regierung Macron zu stürzen. Drouet behauptete, die Polizisten hätten gezielt die Tränengasgranate auf Rodrigues geworfen. Es handele sich um „Kriegsverletzungen“. Drouets Aufruf, am Samstagabend auf dem Bastille-Platz eine sogenannte gelbe Nacht zu organisieren, folgten nur wenige. Nach etwa zwei Stunden verließen die Demonstranten den Platz.

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