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Frankreich : Ratlos nach Marseille

Polizeikontrolle in Marseille: Regierungschef Ayrault will 205 Polizisten und Gendarmen in die Stadt entsenden Bild: AFP

In der zweitgrößten Stadt Frankreichs wüten kriminelle Banden. Seit Jahresbeginn sind ihnen schon 17 Menschen zum Opfer gefallen. Auch der Besuch des Premierministers dürfte daran nicht viel ändern.

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          Die zweitgrößte Stadt Frankreichs kommt aus den Schlagzeilen nicht heraus. In Marseille grassieren Rauschgifthandel, Prostitution und Diebstahl. Nachdem der Bandenkrieg kürzlich das 17. Todesopfer seit Jahresbeginn forderte, entschloss sich die sozialistische Regierung zum Handeln. Am Montag ist Premierminister Jean-Marc Ayrault für eine zweitätige Visite in der „Hauptstadt des Verbrechens“ am Mittelmeer eingetroffen, mit der Mission, dort Ordnung zu schaffen.

          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Die örtlichen Sozialisten machen dem Regierungschef die Arbeit nicht gerade leicht. Der Départementsrat wird von dem Sozialisten Jean-Noël Guérini geleitet, gegen den die Justiz wegen Korruption ermittelt. Rücktrittsaufforderungen aus der sozialistischen Parteizentrale in Paris hat Guérini ignoriert. So beriet der Premierminister am Montag über Kriminalitätsbekämpfung mit einem Parteifreund, der selbst dem Marseiller Filz und der Schattenwirtschaft nahesteht.

          Ohnehin wirkt die Regierung ziemlich ratlos, was sie in den verarmten Sozialbauvierteln im Norden Marseilles unternehmen soll, die an Verbrecherbanden und Drogenclans gefallen sind. Soziologen begründen den sprunghaften Anstieg der Kriminalität mit der zunehmenden Verarmung der Bevölkerung. In den verwahrlosten Hochhaussiedlungen im Norden der Stadt ist jeder zweite Jugendliche arbeitslos. Fast jede dritte Familie in Marseille lebt unterhalb der Armutsschwelle.

          Ayrault stellte einen „globalen Aktionsplan“ vor, der aber sehr nach den erfolglosen Ansätzen der konservativen Vorgängerregierung klang. Der Regierungschef will 205 Polizisten und Gendarmen in die Stadt entsenden. Vor gut einem Jahr erst hatte der damalige Präsident Nicolas Sarkozy 140 zusätzliche Sicherheitskräfte dorthin entsandt. Zwar hat der Polizeipräfekt von Marseille, Alain Gardère, kürzlich im Radio Marseille eine „ziemlich ruhige Stadt“ genannt, aber in Paris wird solches Schönreden nicht mehr gern vernommen. Deshalb wird auch Gardère bald einem neuen Präfekten Platz machen müssen, das hat die Regierung schon angekündigt. Angeblich soll der neue Polizeipräfekt auch mehr Befugnisse erhalten und - wie bislang nur der Pariser Polizeipräfekt - direkt dem Innenminister berichten.

          „Marseille leidet seit 50 Jahren an der Einwanderung“

          Gardères Vorgänger Gilles Leclair, der vor einem Jahr aufgrund der schlechten Kriminalitätsstatistik strafversetzt wurde, hatte zum Abschied ehrliche Worte gesprochen: Er allein könne nicht alle Probleme einer armen Stadt lösen, „die seit 50 Jahren an der Einwanderung und an einer Bandentradition leidet“.

          Ayrault, der auch mit Bürgermeister Jean-Claude Gaudin (UMP) zusammentraf, strebt an, die umliegenden Kommunen in eine sogenannte „Metropole“ einzugemeinden. Doch die Verantwortlichen der Umland-Kommunen lehnen die Pläne ab. „Man nimmt uns schon eine Teil unserer Steuergelder zugunsten Marseilles weg“, sagte die Vorsitzende der Kommunen des Pays d’Aix, Mayse Joissains. „Wir verwalten unsere Kommunen gut - und jetzt sagt man uns, Marseille hat Schwierigkeiten, dann müsst ihr dafür zahlen.“

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