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Mord an Mireille Knoll : „Weil sie eine Jüdin war“

Gedenken an die 2018 ermordete Holocaust-Überlebende Mireille Knoll in Paris vor deren Wohnung in Paris Bild: AP

Der Mord an der Holocaust-Überlebenden Mireille Knoll hat Frankreich tief erschüttert. Seit Donnerstag muss sich der mutmaßliche Haupttäter, ein junger Mann algerischer Herkunft, dafür vor Gericht verantworten.

          3 Min.

          Der Mord an der 85 Jahre alten Mireille Knoll im März 2018 hat Frankreich tief erschüttert. Präsident Emmanuel Macron sagte, die alte Dame sei getötet worden, „weil sie Jüdin war“. Jetzt stehen die beiden mutmaßlichen Täter in einem kleinen Nebensaal des historischen Pariser Justizpalastes vor Gericht. Während im eigens gebauten, modernen Gerichtssaal nebenan Zeugen das Grauen der islamistischen Terroranschläge des 13. November 2015 beschreiben, geht es im Knoll-Prozess um antisemitische Gewalttaten, die in Frankreich zu einem bedeutenden Teil von jungen Männern mit Einwanderungshintergrund aus dem muslimisch-arabischen Kulturkreis ausgehen. In seiner Rede zur Würdigung des von islamistischen Terroristen getöteten Offiziers Arnaud Beltrame hatte Präsident Macron eine Verbindung zum Mord an Mireille Knoll hergestellt. „Sie ist Opfer desselben barbarischen Obskurantismus wie Arnaud Beltrame“, sagte er damals.

          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          „Ich bin als Muslim geboren“, stellte sich der mutmaßliche Haupttäter, der 31 Jahre alte Yacine M., am Donnerstag im Gerichtssaal vor. „Ich verstehe immer noch nicht, wie es zu diesem Mord kommen konnte“, sagte Daniel Knoll, der Sohn der Ermordeten im Zeugenstand. Er begreife nicht, wie aus dem turbulenten Nachbarssohn, der bei der Mutter ein und ausging, ein Mörder werden konnte. „Ein Monster“, sagt er. Seine Mutter sei großherzig gewesen und tolerant. Sie habe den Kontakt zu Yacine M. auch nicht abgebrochen, nachdem dieser die zwölf Jahre alte Tochter ihrer Pflegerin sexuell belästigt hatte.

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