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Frankreich : „Meine Antwort ist Ja“

Sarkozy und Premier Villepin Bild: Reuters

Jetzt ist es offiziell: Nicolas Sarkozy hat erstmals öffentlich seine Kandidatur für die Präsidentenwahl im kommenden Frühjahr erklärt. Frankreichs Innenminister hat seit Jahren seinen Ruf als „oberster Sheriff“ gefestigt.

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          Nicht nur morgens beim Rasieren denkt Nicolas Sarkozy an eine Präsidentschaftskandidatur. Das haben die Franzosen vor gut drei Jahren von ihrem ehrgeizigen Innenminister erfahren, und so dürften auch nur wenige überrascht gewesen sein über seine „offizielle“ Ankündigung, als Kandidat beim Präsidentenrennen im Frühjahr 2007 antreten zu wollen. Sarkozys Ungeduld war seit der Nominierung Ségolène Royals zur sozialistischen Kandidatin jeden Tag gewachsen.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Den „Krönungsparteitag“ seiner Partei UMP („Union für eine Volksbewegung“) am 14. Januar 2007 konnte er aufgrund organisatorischer Zwänge nicht vorziehen. Deshalb entschied sich Sarkozy, die Aufmerksamkeit der Medien auf seine „Kandidaturerklärung“ zu richten. Sie fiel ziemlich banal aus. „Meine Antwort ist: ja“, sagte er in einem am Donnerstag veröffentlichten Gespräch mit mehreren Regionalzeitungen. Er eiferte damit Chirac nach, der 1994 seine Absichten gegenüber einer Regionalzeitung bekanntgegeben hatte.

          Kräftemessen mit Chirac

          Sarkozy ließ zu, daß seine Kandidaturerklärung schon am Abend von Chiracs 74. Geburtstag verbreitet wurde. Das ist bezeichnend für das fast obsessive Verhältnis des 51 Jahre alten Sarkozy zum Staatspräsidenten. Seit er als junger Mann im bürgerlichen Pariser Vorort Neuilly-sur-Seine das Rathaus eroberte, hat Sarkozy die Nähe zu seinem Vorbild Chirac gesucht. Der Bruch kam 1995, als er im Präsidentschaftswahlkampf Chiracs parteiinternen Rivalen Balladur unterstützte. Seither prägen Mißtrauen und Rivalität die Beziehung der beiden „Parteifreunde“. Sarkozy gelingt es dabei nicht, sich aus dem Kräftemessen mit Chirac zu lösen. „Ich will mit der Art und Weise brechen, wie Politik bislang gemacht wurde. Ein Bruch bedeutet keine Krise“, sagt Sarkozy in seinem „Kandidaturinterview“.

          Zur Königin der Sozialisten gekrönt: Ségolène Royal
          Zur Königin der Sozialisten gekrönt: Ségolène Royal : Bild: REUTERS

          Der Innenminister läßt sich auf ein politisches Wagnis ein. Er preist „den Bruch“ mit der Ära Chirac und wirbt zugleich bei den Wählern dafür, die Leistungen der bürgerlichen Rechten und ihres Innenministers in den vergangenen fünf Jahren bei der Wahl zu honorieren. Sarkozy sagt: „Man kann in der Kontinuität stehen, stolz auf seine Bilanz sein und für die kommenden fünf Jahre einen anderen Weg vorschlagen. Mein Auftrag ist es, die Zukunft zu verkörpern.“ Er wolle die französische Gesellschaft „in Bewegung“ setzen und aus Frankreich ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten machen. „Ich will einen ruhigen Bruch“, sagt Sarkozy.

          „Oberster Sheriff Frankreichs“

          Der Innenminister hat seit 2002 - abgesehen von einem kurzen Gastspiel im Finanz- und Wirtschaftsministerium - seinen Ruf als „oberster Sheriff Frankreichs“ gefestigt. Daß er zum Personal der Ära Chirac gehört, scheint er ignorieren zu wollen. Beharrlich hält Sarkozy an seinem Ministerposten fest, der ihm Zugang zu den in Wahlkampfzeiten wichtigen Geheimdiensten sichert. Über den Zeitpunkt seines Rückzugs aus den Regierungsgeschäften hat Sarkozy angeblich noch nicht entschieden. In einer jüngsten Umfrage sprachen sich vierzig Prozent der Befragten dafür aus, daß der Wahlkämpfer Sarkozy sein Amt als Innenminister aller Franzosen niederlegen solle.

          Der Weg hin zum Parteitag Mitte Januar, bei dem sich Sarkozy von jubelnden Parteimitgliedern als Kandidat feiern lassen will, verspricht anstrengender zu werden als erwartet. Verteidigungsministerin Michèle Alliot-Marie, offensichtlich angespornt von Präsident Chirac, schickt sich an, „in den nächsten zwei Wochen“ als Alternativkandidatin zu Sarkozy anzutreten. Das sagte Frau Alliot-Maries Lebensgefährte, der UMP-Abgeordnete Patrick Ollier, gegenüber der konservativen Zeitung „Le Figaro“ am Donnerstag. Die Verteidigungsministerin hatte Sarkozy das Zugeständnis abgerungen, die Frist für Kandidaturen bis zum Jahresende laufen zu lassen. Sollte Frau Alliot-Marie antreten, dann muß die UMP eine echte Mitgliederabstimmung organisieren. Frau Alliot-Marie hatte sich schon 1999 bei der ersten Mitgliederabstimmung um den Parteivorsitz in der damals RPR genannten neogaullistischen Bewegung überraschend gegen den von Chirac eingesetzten Kandidaten durchgesetzt. Gegen Sarkozy, der massiv neue Mitglieder angeworben hat, wird Frau Alliot-Marie kaum Chancen haben. Aber ihr politisches Gewicht kann mit einer Präsidentschaftskandidatur nur zunehmen.

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