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Zwischenfall in Frankreich : Passant ohrfeigt Präsident Macron

Der französische Präsident Emmanuel Macron mit seiner Ehefrau Brigitte am Dienstag bei einem Besuch in Valence Bild: AFP

Der Angreifer rief einen Satz, der als Erkennungszeichen der rechtsextremen Gruppe Action Française gilt. Die Tat wurde parteiübergreifend verurteilt: Gewalt sei kein Mittel demokratischer Auseinandersetzung.

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          Der französische Präsident Emmanuel Macron ist bei einem Besuch im südfranzösischen Département Drôme von einem Passanten geohrfeigt worden. Der Täter hatte hinter einer Barriere mit anderen Schaulustigen auf den Präsidenten gewartet und rief „Monjoie Saint-Denis, Nieder mit der Macronie“, bevor er mit der Hand ins Gesicht des Präsidenten schlug. „Monjoie Saint-Denis“ war der Schlachtruf und das Motto des Königreichs Frankreich und gilt als Erkennungszeichen der rechtsextremen Gruppe Action Française. Der Mann sowie eine weitere Person wurden von den Sicherheitsbeamten festgenommen und in Polizeigewahrsam verhört.

          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Im Elysée-Palast war man bemüht, den Zwischenfall herunterzuspielen. „Ein Mann hat versucht, den Präsidenten zu schlagen“, teilte die Kommunikationsbeauftragte mit. Der Austausch mit den Passanten sei nur kurz unterbrochen worden, der Ortsbesuch gehe weiter, hieß es weiter.

          In den sozialen Netzwerken wurde der Videomitschnitt der Ohrfeigen-Szene sofort unzählige Male geteilt. Premierminister Jean Castex verurteilte die Aggression in der Nationalversammlung scharf. „Ich rufe zu einem republikanischen Aufbäumen auf“, sagte er. Der Vorfall betreffe alle Bürger, denn der Angreifer habe es auf die Grundlagen der Demokratie abgesehen. „Die Demokratie ist Debatte, Dialog, aber kann auf keinen Fall Gewalt und verbale oder physische Aggression sein“, sagte er. Alle Abgeordneten erhoben sich zum Applaus. Die Rechtspopulistin Marine Le Pen sagte, „auch wenn die demokratische Debatte rauh sein kann, darf physische Gewalt auf keinen Fall toleriert werden“. Sie verurteile entschlossen den physischen Angriff auf einen Präsidenten.

          Auch der Vorsitzende der Linkspartei La France Insoumise, Jean-Luc Mélenchon, äußerte, er sei mit dem Präsidenten solidarisch. „Verstehen Sie jetzt, dass die Gewalttätigen zur Tat schreiten?“, fragte der Linkspopulist. Der rechtsbürgerliche Präsidentschaftskandidat Xavier Bertrand sprach von einer „inakzeptablen Geste“. Gewalt sei niemals gerechtfertigt. „Der Respekt unserer Institutionen und ihrer Repräsentanten ist das Kardinalsprinzip unserer Demokratie“, sagte Bertrand. Macron hat eine „Tour de France“ mit Besuchen in unterschiedlichen Regionen begonnen, um sich rechtzeitig vor den Präsidentenwahlen im Frühjahr 2022 ein Bild von der Stimmung im Land zu machen.

          Am Dienstag besuchte er zunächst eine Hotelfachschule in der Kleinstadt Tain-l’Hermitage und tauschte sich mit jungen Absolventen aus. Im Anschluss daran fuhr er nach Valence, um sich dort mit Restaurantbesitzern auszutauschen, die unter der Pandemie gelitten haben. An diesem Mittwoch dürfen die Gastronomiebetriebe auch ihre Innenräume unter strikten Auflagen öffnen.

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