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Frankreich : Brandstifter von Nantes wird verdächtigt, Priester getötet zu haben

  • Aktualisiert am

Der französische Innenminister Gérald Darmanin im Dezember 2020 Bild: dpa

In Frankreich ist ein katholischer Priester getötet worden. Der mutmaßliche Täter soll vor einem Jahr die Kathedrale von Nantes angezündet haben. Die Rechtspopulistin Le Pen macht dem Innenminister schwere Vorwürfe.

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          In der Nähe der westfranzösischen Stadt Nantes ist ein katholischer Priester in einer kleinen Gemeinde getötet aufgefunden worden. Innenminister Gérald Darmanin sicherte den Katholiken im Land „nach dem dramatischen Mord“ am Montag seine Unterstützung zu. Vor Ort sagte er am Abend, ein Angriff auf einen Geistlichen sei ein Angriff auf die Seele Frankreichs. Auch Staatschef Emmanuel Macron drückte auf Twitter sein Mitgefühl aus und gedachte des toten Geistlichen. Der mutmaßliche Täter wurde festgenommen. Die Staatsanwaltschaft La-Roche-sur-Yon leitete Ermittlungen ein. Einen terroristischen Hintergrund schloss sie aus.

          Nach der Tat hatte sich ein Mann auf der Polizeiwache eines Nachbarortes gestellt, wie es von der Staatsanwaltschaft hieß. Bei dem mutmaßlichen Täter handle es sich um einen 40 Jahre alten Mann, der im vergangenen Jahr einen Brand in der Kathedrale von Nantes gelegt hatte, berichtete der Sender Franceinfo.

          Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde der tote 60 Jahre alte Geistliche in der Ortschaft Saint-Laurent-sur-Sèvre in den Räumlichkeiten der Montfortaner-Priestergemeinschaft entdeckt. Medienberichten zufolge war er offenbar in seinem Zimmer mit Schlägen auf den Kopf getötet worden.

          Der mutmaßliche Täter sei nach einem Psychiatrieaufenthalt Ende Mai von der Priesterbruderschaft aufgenommen worden. Einem Schreiben der französischen Bischofskonferenz zufolge hatte der nun getötete Geistliche den Mann selbst untergebracht. Innenminister Darmanin bestätigte, dass der Verdächtige sich in psychischer Behandlung befunden hatte. Er sei vor seinem anstehenden Prozess unter Aufsicht der Justiz aber auf freiem Fuß gewesen.

          Der aus dem ostafrikanischen Land Ruanda stammende Mann hatte bis zu der Brandstiftung in der Kathedrale von Nantes als freiwilliger Helfer in der Diözese gearbeitet, war aber von der Ausweisung aus Frankreich bedroht. Zu seinem Motiv hatte der geständige Mann im vergangenen Jahr nichts gesagt. Teile der Kirche waren nach der Brandstiftung in Flammen aufgegangen, das Feuer zerstörte unter anderem die Hauptorgel und beschädigte Fenster.

          Le Pen prangert „Versagen des Staates" an

          Landesweit zeigten sich Politiker in Frankreich erschüttert über die Gewalttat. Die Rechtspopulistin und mehrfache Bewerberin um das Präsidentenamt, Marine Le Pen, prangerte „ein vollständiges Versagen des Staates und von Gérald Darmanin“ an. „In Frankreich kann man sich also illegal aufhalten, die Kathedrale von Nantes anzünden, nie abgeschoben werden, und rückfällig werden, indem man einen Priester ermordet“, erklärte sie auf Twitter.

          Der Innenminister warf der Rechtspopulistin vor, „zu polemisieren, ohne die Fakten zu kennen“. „Dieser Ausländer konnte trotz seiner Abschiebeanordnung nicht abgeschoben werden, solange seine richterliche Aufsicht nicht aufgehoben war“, erklärte er ebenfalls auf Twitter. Den Katholiken des Landes sicherte er seine Unterstützung zu.

          Der letzte tödliche Angriff auf einen katholischen Geistlichen in Frankreich liegt nur wenige Monate zurück. Vergangenen Oktober hatte ein 22 Jahre alter Tunesier in der Basilika Notre-Dame von Nizza drei Menschen mit einem Messer getötet. 2019 war in der Region Oise ein 90 Jahre alter Priester verprügelt und erstickt worden.

          Die Tat wurde mit einer Jahrzehnte alten Anzeige wegen „unangemessenen Verhaltens gegenüber einem Minderjährigen“ gegen den Mann in Verbindung gebracht. 2016 bekannte sich die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu einem tödlichen Angriff auf einen Priester in Saint-Etienne-du-Rouvray.

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