https://www.faz.net/-gpf-9s6ix

Islamismus in Frankreich : Kleingruppen gegen Fundamentalismus

Frankreichs Bildungsminister Jean-Michel Blanquer im Oktober in Paris Bild: Reuters

Mit einer neuen Schulpolitik will Frankreich Jugendliche aus Einwandererfamilien besser fördern – und so dem Islamismus entgegenwirken. Bildungsminister Blanquer hat als Schuldirektor den wachsenden Einfluss des Fundamentalismus erlebt.

          4 Min.

          Französische Terroristenbiographien lassen sich oft bis in die Klassenzimmer zurückverfolgen. Eine Namensliste dokumentiert das Scheitern der Institution Schule, alle Kinder zu aufgeklärten Staatsbürgern zu erziehen. Sie reicht vom Islamisten Mohammed Merah, der 2012 in Toulouse jüdische Kinder, Rabbiner sowie Soldaten ermordete, bis zu Mickaël Harpon, der vergangene Woche vier Polizisten in der Pariser Polizeipräfektur mit einem Messer tötete. Bildungsminister Jean-Michel Blanquer ist sich der Herausforderung für das staatliche Bildungssystem seit langem bewusst. Er stammt aus dem Pariser Bürgertum, arbeitete aber als Schuldirektor mehrere Jahre im Einzugsgebiet von Créteil im Nordosten von Paris, das nicht erst seit den Banlieue-Unruhen als schwierig gilt. Den wachsenden Einfluss des muslimischen Fundamentalismus hat der Vater von vier Kindern ebenso erlebt wie die zunehmende Verunsicherung der Lehrer.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Jetzt sitzt er in einem prachtvollen Büro mit vergoldetem Stuck, eingefassten Spiegeln und korinthischen Säulen im Palast Rochechouart, dem Amtssitz der französischen Bildungsminister. Blanquer, 54 Jahre, lächelt freundlich und spricht über die stille Revolution, die im Schulwesen begonnen habe. „Ich versuche, das französische System auf der Grundlage einiger Prinzipien zu verändern“, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung. Das allgemeine Bildungsniveau müsse angehoben werden. Deshalb wolle er in den Grundschulen viel stärker die Grundkenntnisse im Schreiben, Lesen und Rechnen fördern. Zugleich strebe er an, dass alle Kinder das Schulsystem mit Grundvertrauen in ihre Fähigkeiten verließen. „Ich will eine Schule des Vertrauens begründen“, sagt er.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen.

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          F.A.Z. PLUS:

            Sonntagszeitung plus

          F.A.Z. PLUS:

            F.A.Z. digital

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Lithium-Abbau in der Atacama-Wüste im Norden Chiles
am Uyuni-Salzsee in Bolivien (unten)

          Kampf um das „weiße Gold“ : Wettrüsten im Lithium-Dreieck

          Noch kommen viele Akkus nicht ohne den seltenen Rohstoff aus. Die Nachfrage steigt rasant in Südamerika, wo es die größten Lithium-Reserven der Welt gibt. Aber die Lage dort ist schwierig.
          Urban, divers, individualistisch – links ist für viele heute vor allem eine Lifestyle-Frage, kritisiert Sahra Wagenknecht.

          Kritik von Sahra Wagenknecht : Die selbstgerechten Lifestyle-Linken

          Die gesellschaftliche Linke trat einst für all diejenigen ein, die nicht mit dem goldenen Löffel geboren wurden. Verliert sie sich nun in Lifestyle und Symbolik einer privilegierten Minderheit?