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Frankreich im Lockdown : „Die zweite Welle wird tödlicher sein als die erste“

Präsident Macron bei seiner im Fernsehen und Internet übertragenen Ansprache am Mittwochabend Bild: Reuters

Präsident Emmanuel Macron macht den Franzosen am Mittwochabend eine klare Ansage: Wir haben keine andere Wahl. Die meisten der von Freitag an geltenden Maßnahmen kennt die Bevölkerung aus dem Frühjahr.

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          Frankreich verordnet sich wieder einen strengen Lockdown. Präsident Emmanuel Macron hat am Mittwochabend im Fernsehen angekündigt, dass die landesweite Ausgangssperre, die das Virus im Frühjahr „gestoppt hat“, wieder eingeführt werden müsse. Denn Frankreich sei „von der plötzlichen Beschleunigung der Pandemie überwältigt“, wie er in seiner Ansprache einräumte. Und er warnte: „Die zweite Welle wird tödlicher sein als die erste“.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Daher kehrt Frankreich wieder zu etlichen Einschränkungen zurück: Verboten ist es, Freunde zu besuchen und für private Zwecke die eigene Region zu verlassen. Restaurants, Cafés, Bars, Theater und Kinos müssen wieder in ganz Frankreich schließen. Die Flughäfen für Flüge außerhalb der Europäischen Union werden ebenfalls wieder geschlossen. Wer das Haus verlassen will, braucht einen ausgefüllten Passierschein auf Papier oder Handy. Erlaubt sind der Gang und die Fahrt zur Arbeit und zurück, das Hinbringen und Abholen der Kinder von Schule und Kindergarten, das Einkaufen von Lebensmitteln, die Unterstützung abhängiger Personen, das Ausführen von Haustieren und gewisse sportliche Betätigungen im Freien.

          Schulen, Kindergärten und Friedhöfe bleiben offen

          Einige Erleichterungen haben Macron und seine Regierung der Bevölkerung gegenüber der Ausgangssperre im Frühjahr eingeräumt: Schulen und Kindergärten bleiben ebenso offen wie die Einrichtungen des öffentlichen Dienstes, darunter auch die Friedhöfe. Besuche in den Altersheimen sind auch gestattet. Die Unternehmen sollen so weit wie möglich die Beschäftigten im Homeoffice arbeiten lassen.

          Die neuen Regeln treten in der Nacht von Donnerstag auf Freitag in Kraft. Sie sollen mindestens bis zum 1. Dezember dauern. Macron versprach dem schwer getroffenen Einzelhandel, der nun wieder schließen muss, in zwei Wochen die Lage zu überprüfen, um eventuelle Erleichterungen einzuführen, wenn die Pandemie zurückweicht. Das Ziel sei es, die Zahl der täglichen Neuinfektionen von derzeit rund 40.000 auf rund 5000 Ansteckungen zu senken. Macron versprach auch weitere staatliche Hilfen wie Zuschüsse von 10.000 Euro pro Monat für kleine Unternehmen. Bei den ausstehenden Mietzahlungen werde der Staat ebenfalls helfen.

          Frankreich habe keine andere Wahl, plädierte Macron. Experten befürchten, dass Anfang November schon fast wieder die Gesamtheit der Intensivbetten in Frankreich von Covid-Patienten belegt ist. Am Mittwoch mussten bereits wieder Patienten von einem Krankenhaus in Avignon nach Brest geflogen werden. Die Regierung ist in den vergangenen Wochen unter scharfe Kritik geraten. Sie habe den Sommer weitgehend tatenlos verstreichen lassen, anstatt die Kapazitäten im Gesundheitsbereich auszubauen, beklagte die Opposition.

          Macron wies die Kritik zurück und berichtete, dass die Zahl der Intensivbetten in Frankreich von 5000 auf 6000 erhöht worden sei. Doch es dauere 5 Jahre bis eine Krankenschwester, die auf der Intensivstation eingesetzt werden kann, ausgebildet ist, bei einem Anästhesist dauere es 10 Jahre. Es sei außerdem kein vertretbarer Weg, das Virus sich frei ausbreiten zu lassen, weil es lebensgefährlich sei und bei vielen Geheilten „Narben“ hinterlasse. Frankreich sei mit 1,9 Millionen Tests pro Woche eines der Länder, das am meisten teste, sagte Macron. Er räumte aber ein, dass die Nachverfolgung von Ansteckungsfällen und die Isolierung der Erkrankten noch „effizienter“ umgesetzt werden könne. Auch die Tests mit Ergebnissen in 30 Minuten müssten schnell eingeführt werden.

          „Wir müssen geeint und solidarisch bleiben und dürfen nicht dem Gift der Spaltung nachgeben“, plädierte der Präsident und fügte hinzu: „Bleiben Sie so weit es geht zuhause, respektieren Sie die Regeln“. Am morgigen Donnerstag soll die Regierung die Maßnahmen im Detail vorstellen. Frankreich hatte vor zwei Wochen eine abendliche Ausgangssperre in Landesteilen eingeführt, die rund zwei Drittel der Bürger betraf. Für 20 Millionen Franzosen ging das Leben jedoch weitgehend unverändert weiter. Nun wird das ganze Land wieder in eine weitreichende Isolation geschickt.

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