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Frankreich : Hybride statt Hybris

Fast wie Merkel: Hollande faltet seine Hände zu einem gleichsam aufgeweichten Dreieck. Bild: REUTERS

François Hollande will Normalität ins Präsidentenamt einkehren lassen. Seine ersten Gäste zeugen von der Bedeutung, die er dem europäischen Krisenmanagement beimisst. Nächste Woche kommt Frau Merkel.

          3 Min.

          Frankreichs Machtzentrum liegt für ein paar Tage auf der linken Seite des Seine-Flusses, in einer von hohen Kastanienbäumen gesäumten Avenue mit großbürgerlichen Häuserfassaden. Bis er am nächsten Dienstag in den Elysée-Palast einziehen kann, empfängt François Hollande in seinem bisherigen Wahlkampfbüro in der Avenue de Ségur. Die ersten Gäste zeugen von der Bedeutung, die der Sozialist dem europäischen Krisenmanagement beimisst. Nach Herman von Rompuy, dem ständigen EU-Ratsvorsitzenden, stand am Donnerstag Jean-Claude Juncker, der Vorsitzende der Eurogruppe, vor Hollandes Tür.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Der Sozialist, dessen Wahl in das höchste Staatsamt am Donnerstag von den „Weisen“ des Verfassungsrates bestätigt wurde, bereitet sich intensiv auf seine erste Begegnung mit Bundeskanzlerin Angela Merkel Mitte kommender Woche vor. Sozialistische Parteigranden wie der frühere Außenminister und Generalsekretär des Elysée-Palastes, Hubert Védrine, sprachen Hollande Mut für das Kräftemessen mit der Bundeskanzlerin zu: „Meine Erfahrung sagt mir, dass er viele Karten in der Hand hat.“

          Hollandes Bestreben, das „Duo“ mit Deutschland aufzubrechen und andere Euro-Partner in das Krisenmanagement einzubinden, sei richtig, sagte Védrine der Zeitung „Libération“. Angst vor einer Auseinandersetzung mit Deutschland brauche Hollande nicht zu haben, „denn bei vielen Themen sind unsere Herangehensweisen nicht mehr die gleichen“, so Védrine. Der Sprecher der Sozialistischen Partei, Benoît Hamon, lehnte am Donnerstag ebenfalls Nachgiebigkeit gegenüber der Bundesregierung ab. Hollande habe den klaren Auftrag der französischen Wähler, den Fiskalpakt neu zu verhandeln. „Wird der Vertrag nicht neu verhandelt, wird er nicht zur Ratifizierung vorgelegt“, sagte Hamon.

          Aubry macht kurzen Prozess

          Das Säbelrasseln überlässt Hollande dabei lieber anderen. Die scheidende Parteivorsitzende Martine Aubry schickt er als Frontfrau in den Parlamentswahlkampf. Die Parteichefin, die gern Regierungschefin wäre, machte einen kurzen Prozess mit dem Zentristen François Bayrou, der „persönlich“ für Hollande gestimmt hatte. Madame Aubry weigerte sich, die sozialistische Gegenkandidatin in Bayrous Wahlkreis zurückzuziehen, wie es führende Sozialisten als Zeichen der Dankbarkeit empfohlen hatten. Fraglich ist, ob der „Basta-Kurs“ der Parteichefin dem künftigen Staatschef gefällt.

          Der Bürgermeister von Nantes, Jean-Marc Ayrault, ein früherer Deutschlehrer, wirkt im Vergleich zur Eisernen Dame aus Lille geradezu sanftmütig. Sein kompromissorientierter Führungsstil, mit dem er seit 15 Jahren als Vorsitzender die sozialistische Fraktion in der Nationalversammlung zusammenhielt, macht ihn zum Favoriten für das Amt des Premierministers. Hollande verbleibt nicht viel Zeit, seinen Regierungschef auszuwählen. Am Donnerstag reichte François Fillon sein Rücktrittsgesuch ein, er führt noch bis Dienstag die laufenden Amtsgeschäfte weiter.

          Hybridmodell: Der Citroën DS5 Bilderstrecke

          Hollandes größte Stärke bleibt bislang die Symbolpolitik. Während Nicolas Sarkozy sich nach seiner Wahl auf die Yacht eines Unternehmerfreundes ins Mittelmeer verabschiedete, plant Hollande eine Reise in die Corrèze, seine Wahlheimat an den Ausläufern des Zentralmassivs. Es behagt ihm nicht, fortan in einem Palast zu wohnen. Viel lieber würde er in seiner Wohnung unweit der früheren Renault-Fabrik im 15. Arrondissement der Hauptstadt wohnen bleiben. Doch die Sicherheitsbeamten des künftigen Staatsoberhauptes halten das für unverantwortlich. Denn Hollande wohnt in einem Mehrparteienhaus mit einem gemeinsam genutzten Treppenhaus. Außerdem sind die Fensterfronten seiner Wohnung den Sicherheitsleuten viel zu groß. Nicolas Sarkozy, der die Privatwohnung im Elysée-Palast auch nicht sonderlich schätzte, kannte derartige Sorgen nicht. Die Villa seiner Frau Carla Bruni liegt in einem wie ein Hochsicherheitstrakt abgeriegelten Privatressort für Vermögende im 16. Arrondissement.

          Die für die Sicherheit des künftigen Präsidenten zuständigen Beamten müssen aber noch andere Fragen klären, die Hollandes Drang nach „Normalität“ ihnen aufgibt. So will der Präsident weiterhin Zug fahren, was die staatlichen Leibwächter als puren Leichtsinn empfinden. Für den Tag seiner Amtseinführung hat sich Hollande ein Sondermodell des legendären Citroën DS5 ausgewählt, dessen Dach sich öffnen lässt. Die 200 PS starke Limousine ist zwar nicht „normal“, aber gilt aufgrund des Hybridantriebs als symbolkräftig. Ein Präsident mit Hybridantrieb werde sich ein paar Grüne an den Kabinettstisch holen, heißt es in Paris.

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