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Frankreich : Hunderttausende protestieren gegen Macrons Rentenpläne

  • Aktualisiert am

Auch in Paris gingen am Donnerstag wieder mehrere Zehntausend gegen die geplante Rentenreform auf die Straße. Bild: EPA

Seit fünf Wochen legt eine Streikwelle Frankreich lahm. Aus Protest gegen die geplante Rentenreform demonstrierten am Donnerstag landesweit abermals zahlreiche Menschen.

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          Vor neuen Verhandlungen über die Rentenreform sind in Frankreich erneut hunderttausende Menschen gegen die Pläne von Präsident Emmanuel Macron auf die Straße gegangen. Nach Angaben der Gewerkschaften demonstrierten am Donnerstag landesweit 800.000 Menschen – das Innenministerium sprach von 452.000 Demonstranten. Der Vorsitzende des Gewerkschaftsbunds CGT Philippe Martinez warf der Regierung eine „provokante Haltung“ vor, da sie einen Rückzug der Reform ablehnt. Allein in Paris seien 370.000 Menschen auf die Straße gegangen, teilte der Gewerkschaftsbund CGT mit. Das Innenministerium zählte in der Hauptstadt dagegen nur 44.000 Demonstranten.

          Die „Rente mit 60“ forderten Pariser Demonstranten statt der geplanten Erhöhung des Rentenalters von 62 auf 64 Jahre. Sie skandierten: „Macron, zieh deine Pläne zurück“. Auch in anderen großen Städten wie Marseille, Bordeaux, Toulouse und Rennes gab es Kundgebungen. Insgesamt waren mehr als 200 Demonstrationen angekündigt.

          In Paris wurde ein Journalist von der Polizei abgeführt, der für den Online-Kanal „Brut“ live über den Protestmarsch berichten wollte. Er habe seine Gasmaske nicht aushändigen wollen, hieß es zur Begründung. Die Redaktion protestierte scharf.

          Längste Streikwelle seit Jahrezehnten

          Die CGT und andere Gewerkschaften wollen die Regierung mit den Massenprotesten zur Abkehr von der Rentenreform zwingen. Trotz der Streikwelle von nun 36 Tagen – der längsten in Frankreich seit Jahrzehnten – gebe es keine Fortschritte, beklagte der Generalsekretär der CFE-CGC, François Hommeril. Die Streiks bei der Bahn und im Pariser Nahverkehr dauern bereits seit mehr als fünf Wochen an. Auch am Freitag müssen Reisende Geduld aufbringen: Jeder fünfte TGV-Schnellzug verkehrt nicht und nur vier von zehn Regionalzügen, wie die Bahngesellschaft SNCF ankündigte.

          Auch Raffinerien und Treibstofflager wurden abermals blockiert. Der Pariser Eiffelturm blieb für Besucher geschlossen. Lehrer und Anwälte legten ebenfalls die Arbeit nieder, zahlreiche Schulen im Land blieben geschlossen.

          Es war bereits der vierte landesweite Aktionstag seit Beginn der Protestwelle am 5. Dezember. Zuletzt waren vor Weihnachten nach Regierungsangaben mehr als 600.000 Franzosen gegen die Rentenreform auf die Straße gegangen, die Gewerkschaft CGT zählte drei Mal so viele Teilnehmer.

          „Wir sind noch weit entfernt von einer Einigung“

          Am Freitag will die Regierung abermals mit den Gewerkschaften verhandeln. „Wir sind noch weit entfernt von einer Einigung“, sagte der Chef des größten Gewerkschaftsbundes CFDT, Laurent Berger. Er drängte die Regierung, zumindest auf die Erhöhung des Rentenalters auf 64 Jahre zu verzichten. Berger sprach aber von einem „Zeichen der Öffnung“. Bei dem letzten Gespräch am Dienstag hatte sich Regierungschef Edouard Philippe positiv über die Gewerkschaftsidee geäußert, eine Konferenz für alternative Finanzierungsmöglichkeiten für das Rentensystem zu veranstalten.

          Die Regierung drückt bei der Reform aufs Tempo: Ein Kabinettsbeschluss ist bereits am 24. Januar geplant, die Nationalversammlung soll ab dem 17. Februar über die Pläne beraten. Der Vorsitzende des Senats, Gérard Larcher, rief die Regierung auf, ihr zentrales Reformvorhaben nicht zu überstürzen, auch wenn die Reform wegen des steigenden Lebensalters „unerlässlich“ sei. Die Regierung müsse zumindest die Ergebnisse der Finanzierungs-Konferenz abwarten.

          Mehrere linke Parteien und die Grünen warfen der Regierung eine „Verschleiß“-Strategie vor. Sie setze auf die Ermüdung der Demonstranten, die sozialen Probleme würden dadurch aber nicht gelöst, erklärten sie. Macron will das komplizierte Rentensystem mit mehr als 40 unterschiedlichen Regelungen vereinheitlichen und die Milliarden-Defizite der Rentenkassen abbauen. Die Gewerkschaften fürchten massive Einschnitte für Ruheständler.

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