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Französisches Weltraummanöver : Macrons Laserangriff

Der französische Präsident Emmanuel Macron am Freitag beim Besuch des Weltraumkommandos in Toulouse Bild: Reuters

Frankreich hat zum ersten Mal ein Weltraummanöver abgehalten. Künftig will die Regierung in Paris französische Satelliten zum Schutz vor feindlichen Angriffen mit Laserwaffen ausstatten.

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          Präsident Emmanuel Macron hat am Freitag einen Laserangriff im Weltall kommandiert – am Computer. Der Angriff war Teil eines großangelegten Trainingsmanövers des neuen französischen Weltraumkommandos in Toulouse. Unter dem Codenamen „Aster X“ wurden seit Montag Krisensituationen simuliert wie die Bedrohung eines Satelliten durch eine feindliche Macht oder die Überwachung eines gefährlichen Weltraumobjekts. Es ist das erste Mal, dass Frankreich ein Weltraummanöver abhält. Die amerikanische Space Force und die deutschen Raumfahrtbehörden nahmen an der Übung teil. Der Name Aster X spielt auf den ersten französischen Satelliten Asterix aus dem Jahr 1965 an. Die Rolle der Satelliten für das Alltagsleben wie auch für die militärische Aufklärung ist seither ständig gewachsen. Sie werden für Bankgeschäfte und Logistik ebenso benötigt wie für Mobiltelefone oder Wettervorhersagen.

          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Bislang fehlte es an Schutzvorkehrungen für die Satelliten. Deshalb hat Macron 2019 die Gründung des Weltraumkommandos nach dem Vorbild des amerikanischen „United States Space Command“ beschlossen. Der Präsident schreibt Frankreich eine Vorreiterrolle in der EU zu, um das Bewusstsein für die neuen Bedrohungen im All zu stärken. Angriffs- und Störszenarien im Weltraum sind dabei nicht nur pure Fiktion.

          „Ein Akt der Spionage“

          Wie das französische Verteidigungsministerium bestätigt hat, war im Oktober 2017 ein russischer Spionagesatellit (Luch-Olymp) einem französisch-italienischen Satelliten für militärische Kommunikation (Athena-Fidus) auffällig nahe gekommen. Verteidigungsministerin Florence Parly kommentierte den Zwischenfall mit den Worten: „Das war nicht nur unfreundlich, sondern ein Akt der Spionage.“ Insgesamt haben Provokationen wie das Hacken und Stören von Satelliten in den vergangenen Jahren zugenommen. China, Russland und vor kurzem auch Indien haben bereits Möglichkeiten zur Zerstörung von Satelliten getestet.

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          Bei seinem Besuch in Toulouse verfolgte Macron eine Übung, bei der die Republik Siva von der Konföderation Piros angegriffen wurde. Die Schlacht fand im All statt, und etwa 60 Weltraumkämpfer mussten vor ihrem Computer die Situation analysieren und Lösungsansätze entwickeln. Zuvor hatte sich Macron ein Modell des Nasa-Rovers Perseverance erläutern lassen. Ihm wurden als Geschenk erste Aufnahmen der Supercam vom Mars geschenkt. General Michel Friedling, der dem französischen Commandement de l’Espace (CDE) vorsteht, erklärte dem Präsidenten die Übungen.

          „Es gibt eine Reihe von Ereignissen, die Krisensituationen oder Bedrohungen für unsere Weltrauminfrastruktur schaffen“, sagte Friedling. Ziel sei es zu zeigen, dass Frankreichs Weltraumstrategie nicht nur aus Absichtserklärungen bestehe, sondern der Aufbau des Kommandos zügig vorangehe. Bis 2025 sollen alle zivilen und militärischen Einheiten ins neue CDE-Zentrum in Toulouse verlegt werden. Dazu zählen das militärische Beobachtungszentrum für Weltraumobjekte in der Nähe von Lyon sowie die Satelliten-Überwachungszentrale in Creil. Zudem werden die zivilen Forschungszentren Office national d’études et de recherches aérospatiales sowie das Centre national d’études spatiales eingebunden.

          Macron leitete in Toulouse eine geheime Sitzung, bei der über die künftige Raumfahrtstrategie diskutiert wurde. Im vergangenen Jahr war ein siebzig Seiten umfassendes Grundsatzpapier („Stratégie spatiale de défense“) veröffentlicht worden, das durch einen vertraulichen Teil vervollständigt werden soll. Frankreich verfolgt im All eine defensive Strategie, wird darin betont. So gehe es nicht darum, den Weltraum zu militarisieren, sondern eigene sowie Satelliten befreundeter Staaten zu schützen. Frankreich wird deshalb Satelliten künftig mit Laserwaffen ausrüsten, um sich gegen feindliche Angriffe im All wehren zu können. Zudem sollen vom Jahr 2023 an sogenannte Nanosatelliten, Satelliten mit einem Gewicht von bis zu zehn Kilogramm, ins All geschickt werden, die „unfreundliche Bewegungen oder gefährliche Trümmer“ aufspüren können.

          Die Anti-Satelliten-Laserwaffen sollten „nur zur Selbstverteidigung“ eingesetzt werden. Macron hat bis 2025 zusätzliche Mittel in Höhe von 700 Millionen Euro für das Weltraumprogramm bewilligt. Im Militärhaushalt für die Jahre 2019 bis 2025 sind bereits 3,6 Milliarden Euro dafür vorgesehen. Im Vergleich zum amerikanischen Budget für das militärische Weltraumprogramm von mehr als 50 Milliarden Dollar im Jahr nimmt sich das bescheiden aus.

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