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Untersuchung in Frankreich : Fünf ungeklärte Todesfälle nach Impfung

Die 78 Jahre alte Mauricette wird in einem Krankenhaus in Sevran bei Paris am 27. Dezember als erste Frau in Frankreich gegen Corona geimpft. Bild: dpa

In Frankreich sind fünf Menschen wenige Tage nach einer Corona-Impfung gestorben. Die Behörden haben eine Untersuchung eingeleitet, um einen möglichen Zusammenhang zu klären. Für Impfgegner steht das Ergebnis jetzt schon fest.

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          In Frankreich haben fünf ungeklärte Todesfälle die Debatte über mögliche Risiken des Impfstoffs von Pfizer und Biontech angeheizt. Der französische Gesundheitsminister Olivier Véran hat Untersuchungen der zuständigen Arzneimittelbehörden angekündigt, um die Todesursache zu klären. In einem Altenpflegeheim in Nancy waren drei Bewohner verstorben, nachdem sie die erste Dosis des neuartigen Impfstoffes erhalten hatten. Auch in Perpignan und in Tours sind zwei Menschen wenige Tage nach der Impfung gestorben.

          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Impfgegner haben die Todesfälle sofort zum Anlass genommen, in den sozialen Netzwerken den Impfstoff von Pfizer und Biontech als gesundheitsgefährdend zu diffamieren. Véran warnte während eines Besuchs in Nancy vor vorschnellen Schlüssen. „Es handelt sich um Personen, die wenige Tage nach der Impfung verstorben sind, ohne allergische Reaktionen zu entwickeln“, sagte der Minister. Betroffen seien „alte oder sehr alte Menschen mit Grunderkrankungen“, sagte er. Es müsse zunächst gründlich geprüft werden, ob es sich nicht nur um eine „unglückliche zeitliche Koinzidenz“ handele und die Todesursache nicht eine gänzlich andere sei.

          139 Fälle schwerer Nebenwirkungen

          Véran bestätigte, dass in Frankreich 139 Fälle schwerer Nebenwirkungen registriert worden seien. Bislang wird in Frankreich hauptsächlich der Impfstoff von Pfizer und Biontech verabreicht. Seit Beginn der Impfkampagne gibt es regelmäßig Gerüchte über Tote, die in den sozialen Netzwerken verbreitet werden. Besondere Aufmerksamkeit erregte der Fall der 78 Jahre alten Rentnerin Mauricette, die Präsident Emmanuel Macron in seiner Neujahrsansprache an die Nation eigens würdigte, weil sie am 27. Dezember als erste Französin geimpft worden war.

          Wochenlang hielten sich Meldungen, Mauricette sei verstorben. Jetzt ließ sich die Rentnerin im Krankenhaus in Sevran im Nordosten von Paris dabei fotografieren, wie ihr die zweite Impfdosis verabreicht wurde. „Mauricette geht es gut“, teilte Gesundheitsminister Véran mit. Die französische Regierung hatte lange mit einer großen Skepsis im Land gegenüber einer Corona-Impfung anzukämpfen. 

          Impfbereitschaft gestiegen

          Verschwörungstheorien über eine angebliche Schädlichkeit der von einer amerikanisch dominierten Pharmaindustrie entwickelten Impfstoffe dominierten die Debatte. Doch die Impfskepsis nahm nach Anlaufen der Impfkampagne deutlich ab.

          In einer Umfrage des Instituts Ifop im Auftrag der Sender CNews und SudRadio gaben in der vergangenen Woche 54 Prozent der 1000 befragten Franzosen an, sich impfen lassen zu wollen, im Dezember waren es nur 39 Prozent gewesen. Die Regierung befürchtet nun, dass die Spekulationen über die Todesfälle die Impfbereitschaft wieder verringern könnten.

          In Frankreich sind bislang annähernd 586.000 Menschen geimpft worden. Der Impfstoff ist für medizinisches Pflegepersonal, Bewohner von Altenpflegeheimen und Ältere über 75 Jahren reserviert. Zuvor gab es Meldungen aus Norwegen, dass 33 Menschen wenige Tage nach ihrer ersten Corona-Impfung gestorben seien. Die norwegische Arzneibehörde rät seither zur Vorsicht bei sehr alten kranken Menschen. Es liege der Verdacht nahe, dass einige sehr gebrechliche Menschen die üblichen Impfreaktionen wie Fieber und Übelkeit nicht verkraftet hätten und gestorben seien.

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