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Nach 27 Toten im Ärmelkanal : Frankreich fordert von Großbritannien legale Migrationswege

Spricht von einem“ schrecklichen und unwürdigen“ Schlauchbootunfall: Der britische Innenminister Gérald Darmanin Bild: AFP

Nach dem Tod von Migranten im Ärmelkanal verlangt Paris eine Reform der britischen Asylgesetzgebung. Sie lasse derzeit keine andere Möglichkeit als die illegale Einreise zu, sagt Innenminister Darmanin.

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          Ein Flugzeug der europäischen Grenzschutzagentur Frontex wird vom 1. Dezember an „Tag und Nacht“ den Ärmelkanal überwachen. Das hat der französische Innenminister Gérald Darmanin am Montag in einem Fernsehgespräch im Sender BFM-TV angekündigt. Er verwies auf die internationalen Zusammenhänge hinter dem „schrecklichen und unwürdigen“ Schlauchbootunfall vergangene Woche im Ärmelkanal mit 27 Toten.

          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          „Einer der beiden überlebenden Migranten war erst seit sechs Tagen auf unserem Staatsgebiet“, sagte Darmanin. Er sei aus Deutschland gekommen, wo er aber genauso wenig bleiben wollte wie in Frankreich. Der Mann, ein Kurde aus dem Irak, sei mit einem organisierten Charterflug nach Minsk gelangt, von dort nach Polen und nach Deutschland, immer mit dem Ziel, nach Großbritannien zu gelangen.

          Der französische Innenminister sagte, die britische Asylgesetzgebung lasse keine andere Möglichkeit als die illegale Einreise zu, um einen Asylantrag zu stellen. Das müsse sich ändern, forderte Darmanin. Frankreich habe seit Jahresbeginn 7800 in Seenot geratene Migranten gerettet. 12.000 Migranten seien in Frankreich untergebracht worden. An der Ärmelkanalküste zwischen Calais und Dünkirchen hielten sich ständig etwa 2000 Migranten in der Hoffnung auf eine illegale Überfahrt nach England auf. Flüchtlingsorganisationen verteilten täglich 2200 warme Mahlzeiten. Sie seien aber nicht dazu zu bewegen, einen Asylantrag in Frankreich zu stellen, auch wenn sie ein Anrecht darauf hätten.

          „Sie hat Großbritannien gewählt, aber sie ist gestorben“

          Das Schicksal der 24 Jahre alten Irakerin Maryam Nuri Mohamed Amin, eines der 27 Opfer des Bootsunglücks, hat die Franzosen besonders bewegt. Die junge Frau aus einer kurdischen Familie wollte zu ihrem in Großbritannien lebenden Verlobten. Der Mann erzählte dem britischen Sender BBC, seine Verlobte habe ihm noch kurz vor ihrem Tod geschrieben, dass ihr Schlauchboot Luft verliere, sie aber auf Rettung hoffe. „Als sie Kurdistan verließ, war sie sehr glücklich, sie konnte es kaum glauben, dass sie ihren Verlobten treffen würde„, sagte ihre beste Freundin, Imann Hassan. „Sie wollte ein besseres Leben leben, sie hat Großbritannien gewählt, aber sie ist gestorben.“

          Auf einem Krisentreffen in Calais hatte der französische Innenminister Darmanin am Sonntag mit den Innenministern Belgiens und der Niederlande einen härteten Kampf gegen Schleuser vereinbart. Deutschland war durch den parlamentarischen Staatssekretär Stephan Mayer in Calais vertreten. An den Beratungen nahmen auch die EU-Innenkommissarin Ylva Johansson und der Frontex-Direktor Fabrice Leggeri teil. Sie verständigten sich darauf, mehr Druck auf Herkunftsländer auszuüben, ihre Staatsbürger wieder aufzunehmen. Zugleich forderten sie die britische Regierung auf, legale Migrationswege zu schaffen. Sie mahnten eine bessere Polizei- und Geheimdienstkooperation mit London an. Frankreich beklagt seit längerem, dass sachdienliche Informationen über Schleusernetzwerke von den zuständigen Stellen in Großbritannien nicht weitergegeben werden.

          Frankreich hatte Großbritannien von dem Treffen ausgeladen, nachdem der britische Premierminister Boris Johnson ein Abkommen mit Frankreich zur Rücknahme aller Migranten gefordert hatte. Darmanin betonte, er wolle weiter mit seiner britischen Amtskollegin Priti Patel beraten. „Wir wollen mit den Briten zusammenarbeiten, die Briten sind unsere Alliierten“, sagte Darmanin. Er habe allerdings den Eindruck, dass es einen scharfen Gegensatz zwischen den öffentlichen Stellungnahmen und direkten Gesprächen mit der Ministerin gebe. Darmanin verwies auf die schwierige Arbeit der Polizisten an der Ärmelkanalküste. Er kam auf eine Reuters-Reportage zu sprechen, die in der britischen Presse zu Empörung führte, weil die Polizisten scheinbar tatenlos ein Schlauchboot mit Migranten in See stechen ließen. Darmanin sagte, die Flüchtenden hätten damit gedroht, Babys ins eiskalte Wasser zu werfen, wenn sie an der Abfahrt gehindert würden. Deshalb seien die Beamten nicht eingeschritten.

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