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Stichwahl gegen Le Pen : Macron muss jetzt kämpfen

  • -Aktualisiert am

Gehen in die Stichwahl: Marine Le Pen und Emmanuel Macron Bild: Reuters

Macron gegen Le Pen – alles wie 2017? Da sollte sich niemand zu sicher sein. Die Rechtspopulistin kann aus einem noch größeren Reservoir enttäuschter Wähler schöpfen. Europa muss bangen.

          2 Min.

          Die französische Präsidentenwahl ist nun ein Duell zwischen Emmanuel Macron und Marine Le Pen, wie vor fünf Jahren. Doch man sollte sich davor hüten, den abermaligen Erfolg der illiberalen Rechtspopulistin achselzuckend abzutun und von einer Wiederholung des Jahres 2017 auszugehen. Damals ging die Sache gut aus, in der zweiten Runde stimmte „nur“ jeder dritte Franzose für Le Pen.

          Doch abgesehen von den beiden Namen, die in zwei Wochen auf den Wahlzetteln stehen werden, ist diesmal fast alles anders. 2017 war Macron selbst ein Außenseiter, ein Mann des Wandels, ein Hoffnungsträger für viele Franzosen, die der politischen Klasse und der etablierten Parteien überdrüssig waren. Nach dem Brexit-Referendum und Donald Trumps Einzug ins Weiße Haus steckte er gerade junge Franzosen mit seiner Europabegeisterung und seinem unverzagten Liberalismus an.

          Diesmal dagegen ist Macron als Amtsinhaber selbst „das Establishment“. An Wirtschaftsreformen hat er einiges vorzuweisen; in „Europa“ ist er weniger weit gekommen, als erhofft; als Versöhner der „zwei Frankreichs“ ist er gescheitert. Schon gar nicht hat er, wie 2017 versprochen, den Franzosen den Hang austreiben können, ihr Heil in extremen Parteien zu suchen.

          Eric Zemmour hat Le Pens Mission vollendet

          Im Gegenteil. Hatte Macron vor fünf Jahren in der Stichwahl noch auf die gut 26 Prozent der Stimmen zählen können, welche in Runde eins die einst großen Parteien der Sozialisten und der Rechtsbürgerlichen auf sich vereint hatten, addierten sich deren Stimmenanteile am Sonntag nach den Hochrechnungen auf kaum mehr als sieben Prozent. Auf die Stimmen des fast dreimal so starken Linkspopulisten und EU-Gegners Jean-Luc Mélenchon darf eher Le Pen als Macron hoffen.

          Eric Zemmour, der vor Monaten Le Pen von rechts die Luft abzuschnüren schien, hat sich letztlich als ihr größter Helfer erwiesen: Indem er noch radikaler auftrat als sie, vollendete er das „Projekt Entteufelung“, das Le Pen der Partei ihres Vaters schon vor 15 Jahren verschrieben hatte. Nach Macrons Zwei-Drittel-Sieg vor fünf Jahren hatte sie schon den Parteinamen abgeschliffen – aus der martialischen „Front“ wurde eine verbindliche „Versammlung“ – und das Projekt EU-Austritt aus dem Programm streichen lassen. Nun konnte sie geradezu staatstragend wirken, während ihr Konkurrent Zemmour mit Entgleisungen Schlagzeilen machte.

          Doch das ist nur Fassade. Selbst wenn sie sich als Präsidentin „nur“ am Ungarn Viktor Orbán orientierte, dessen Wiederwahl sie kürzlich bejubelte: Die EU würde das nicht verkraften.

          Ein solches Ergebnis würde das Jahr 2022 endgültig zum annus horribilis machen. Dass sich gut die Hälfte der Franzosen von den auch an diesem Wochenende furchtbaren Bildern aus der Ukraine nicht davon abhalten ließen, ihr Kreuz bei (früheren?) Bewunderern des Kriegsverbrechers Wladimir Putin zu machen, ist mehr als eine bittere Randnotiz des Wahlabends. Im Wahlkampf hatte Macron sich rar gemacht, wollte als Krisenmanager und Kriegspräsident im Elysée seine Unverzichtbarkeit beweisen. Jetzt muss er zu Hause in die Schlacht: für sein Amt und für das freie Europa.

          Andreas Ross
          Verantwortlicher Redakteur für Nachrichten und Politik Online.

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