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Frankreich : Dschihadisten drohen Hollande

Präsident Hollande auf dem Frankophonie-Gipfel in Kinshasa Bild: AFP

Islamistische Terroristen wollen Frankreich dafür bestrafen, dass es eine Militärintervention in Mali befürwortet. Ein Islamistenführer sprach Morddrohungen gegen französische Geiseln und Präsident Hollande aus.

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          Frankreich soll für seine Rolle bei der Vorbereitung einer Militärintervention im Norden Malis „bestraft“ werden. Das kündigte ein zum Terrornetzwerk „Al Qaida im islamischen Maghreb“ (Aqim) gehörender Islamistenführer nach der Verabschiedung der UN-Resolution zum Mali-Einsatz an. Das Leben von sechs französischen Geiseln wie auch „das Leben François Hollandes“ sei künftig in Gefahr, drohte Omar Ould Hahama von der Bewegung für Einheit und Heiligen Krieg in Westafrika am Wochenende in französischen Medien. Hollande will an diesem Montag die Familienangehörige der Geiseln empfangen.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Am Dienstag trifft der Präsident mit den Hinterbliebenen der beiden jungen Franzosen zusammen, die wenige Stunden nach ihrer Entführung in Niamey (Niger) bei einer Befreiungsaktion französischer Spezialtruppen Anfang Januar 2011 getötet wurden. Frankreich sei im Kampf gegen den Terrorismus entschlossen und werde sich durch Morddrohungen nicht von seinem Kurs abbringen lassen, sagte er bei einer Pressekonferenz in Kinshasa. Er forderte die Geiselnehmer auf, die Franzosen freizulassen, „bevor es zu spät ist“.

          Frankreich hat den Druck auf die Staaten der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (Ecowas) und der Afrikanischen Union erhöht, Pläne für einen Truppeneinmarsch im Norden Malis auszuarbeiten. Die unter französischer Initiative ausgearbeitete und am Freitagabend im UN-Sicherheitsrat in New York verabschiedete Resolution sieht vor, dass die konkreten Einsatzpläne binnen 45 Tagen vorgestellt werden. Die französische Armee will logistische Hilfe leisten, selbst aber nicht mit Bodentruppen eingreifen. „Wir werden keine Soldaten haben, die an der Militärintervention teilnehmen“, sagte Hollande beim Frankophonie-Gipfel in Kinshasa. Das Schicksal der französischen Geiseln sei kein Grund, nicht die staatliche Einheit Malis zu verteidigen.

          Ende März war der malische Staatschef Amadou Toumani Touré entmachtet worden, der Norden wird seither von Tuareg-Rebellen und radikalen Islamistengruppen kontrolliert. Frankreich fürchtet das Entstehen eines „zweiten Afghanistans“. Die Islamistengruppen haben sechs französische Geiseln in ihrer Gewalt. Vier von ihnen gehören zu der Gruppe von Mitarbeitern des französischen Atomkonzerns Areva, die im September 2010 in Niger entführt worden waren. Der staatliche Atomkonzern will Uranminen in Niger ausbeuten, die in Tuareg-Gebiet liegen. Areva zählt zu den diskreten Fürsprechern einer Militärintervention im Norden Malis, um das Bündnis zwischen Aqim und Tuareg zu brechen und Stabilität in die Region zu bringen. Bei den zwei weiteren französischen Geiseln handelt es sich um als Geologen bezeichnete Männer, die im Auftrag des französischen Geheimdienstes in Mali unterwegs gewesen sein sollen, und dort im November 2011 entführt wurden.

          „Frankreich wichtigster Financier islamistischer Gruppen“

          Den Geiseln würden „die Tore zur Hölle“ geöffnet, drohte Islamistenchef Omar Ould Hamaha von der Bewegung für Einheit und Heiligen Krieg in Westafrika. „Wenn Hollande weiter Öl ins Feuer schüttet, senden wir ihm in wenigen Tagen die Fotos der toten Geiseln“; so der Islamistenchef. Das Leben aller in Westafrika lebenden Franzosen sei in Gefahr. Der Islamistenchef behauptete, Frankreich sei der wichtigste Financier islamistischer Gruppen im Westen Afrikas. Doch die Strategie, sich mit Geldzahlungen Ruhe zu erkaufen, funktioniere nicht mehr. Französische Interessen sind seit langem ein vorrangiges Ziel von Aqim. Eine große Zahl radikalisierter junger Franzosen pilgert in den Norden Malis, um sich dort für den Dschihad „ausbilden“ zu lassen. Französische Geheimdienste haben kürzlich erstmals offiziell bestätigt, mehrere dutzend französische Staatsbürger unter den Aqim-Terroristen identifiziert zu haben.

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