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Eklat um drastische Wortwahl : Impfgegner sind für Macron keine Bürger mehr

Wird für seine Wortwahl kritisiert: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron Bild: Getty

In einem Zeitungsgespräch platzt dem französischen Präsidenten der Kragen. Er wettert gegen Impfgegner und will sie vom Sozialleben ausschließen. Rechte, Konservative, Linke, Grüne und Kommunisten – sie alle sind empört.

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          Mit einem Schimpfwort hat der französische Präsident Emmanuel Macron die Debatte über den Umgang mit Ungeimpften neu angefacht. Über Frankreich rollt trotz hoher Impfquote die Omikron-Welle hinweg, annähernd 300.000 neue Fälle wurden zuletzt gemeldet. Gesundheitsminister Olivier Véran bekannte, ihm werde bei diesen Zahlen schwindelig. Der Präsident wiederum sagte in einem Gespräch mit Lesern der Zeitung „Le Parisien“ am Mittwoch: „Ich habe große Lust, den Ungeimpften auf den Wecker zu gehen.“

          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Er benutzte dabei das Verb „emmerder“, dessen Ursprung im Wörterbuch der Académie Française als „mit Exkrementen bedecken“ beschrieben wird. Der Ausdruck ist nach dem Urteil der Sprachwächter „vulgär“ und kann verächtlich klingen. Wie der Elysée-Palast nacheilend erläuterte, soll sich Macron auf einen berühmten Ausspruch des früheren Präsidenten Georges Pompidou bezogen haben, der 1966 bei der Vorlage von Gesetzen zur Unterzeichnung seinen Berater Jacques Chirac anfuhr: „Hören Sie doch endlich auf, den Franzosen auf den Wecker zu gehen!“.

          Kein Wein mehr für Ungeimpfte

          Macron erläutert im Interview, er werde die Ungeimpften „nicht ins Gefängnis stecken und nicht zwangsweise impfen lassen“. Er wolle ihnen aber „soweit wie möglich den Zugang zum Sozialleben verweigern“ und sie „bis zum Schluss piesacken“. Das sei die Strategie. „Vom 15. Januar an können sie nicht mehr ins Restaurant gehen, kein Gläschen (Wein) mehr einnehmen, keinen Café trinken, nicht ins Theater und ins Kino gehen“, sagte Macron. Noch härter ging er mit den Impfgegnern ins Gericht. „Sie untergraben die Grundlagen der Nation. Wenn meine Freiheit die der anderen bedroht, dann werde ich unverantwortlich. Ein Unverantwortlicher ist kein Bürger mehr“, sagte Macron.

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          Die unverblümte Attacke auf Ungeimpfte und Impfgegner ist auch als Reaktion auf die unerwarteten Schwierigkeiten der Regierung zu verstehen, das Gesetz über den neuen Impfpass in der Nationalversammlung durchzubringen. Vom 15. Januar an sollen sich Ungeimpfte nicht mehr mit einem negativen Testergebnis „freitesten“ können. Nur noch Geimpfte sollen Zugang zu Fernreisen mit Bahn, Bus und Flugzeug, ins Restaurant, Café, Kino oder den Konzertsaal erhalten.

          Die Regierung hatte erwartet, dass die Abstimmung nur eine Formsache sein werde. Doch der Zeitplan ist aus den Fugen geraten, da bei der entscheidenden Nachtsitzung in der Nacht zu Dienstag die Regierungsfraktion von La République en marche zu schlecht besetzt war. Der Präsident der Nationalversammlung, Richard Ferrand, war nach ersten Symptomen positiv getestet worden. Er gilt als Schrittmacher der oftmals undiszipliniert auftretenden Fraktion und fehlte deshalb. Mit gehobener Hand überstimmten die anwesenden Abgeordneten der Oppositionsparteien die Regierungsfraktion und verweigerten eine Fortsetzung der Debatte.

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