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Frankreich : Betancourt nach Geiselhaft bei bester Gesundheit

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Froh und dankbar für ihre Freiheit: Ingrid Betancourt Bild: dpa

Sechs Jahre Geiselhaft im Dschungel haben bei der franko-kolumbianischen Politikerin Ingrid Betancourt offenbar keine gesundheitlichen Schäden hinterlassen. Nach einer gründlichen Untersuchung seien sie selbst und die Ärzte darüber gleichermaßen überrascht gewesen, so die 46-Jährige in einem Interview.

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          Die franko-kolumbianische Politikerin Ingrid Betancourt hat ihre über sechs Jahre Geiselhaft bei den FARC- Guerillas im Dschungel Kolumbiens gesundheitlich gut überstanden. Die Ärzte im Militärkrankenhaus Val-de-Grâce in Paris hätten sie nach mehrstündiger Untersuchung „mit guten Nachrichten überhäuft“, sagte Betancourt am Samstagabend dem Sender France 3. Sie sei überrascht von dem Befund, zumal sie über sechs Jahre im Dschungel verbracht habe. „Aber der Geist hilft, dass der Körper durchhält“, sagte sie.

          Trotz des von den Ärzten bescheinigten guten Gesundheitszustands sei ihr aber empfohlen worden, sich jetzt auszuruhen. Es werde noch einige zusätzliche Untersuchungen geben, wurde ihre Schwester Astrid Betancourt auf der Internetseite von „20Minutes“ zitiert, aber es gebe „nichts Alarmierendes“.

          Angst vor Enttarnung der Agenten

          Die 46-Jährige war am Mittwoch in einem Überraschungscoup des kolumbianischen Militärs zusammen mit 14 anderen Geiseln aus der Gewalt der linken FARC-Rebellen befreit worden. Die Befreiung gelang dem Militär mit einer List: Soldaten gaben sich als Mitglieder einer regierungsunabhängigen Organisation aus, die die Geiseln mit einem Hubschrauber an einen anderen Ort bringen wollten. Als der Helikopter n der Luft war, wurden die Bewacher überwältigt, die Geiseln waren frei.

          Die spektakuläre Aktion ist etwa zehn Tage vorgezogen worden. Es wurde befürchtet, die Guerilla könnte von der Aktion erfahren und die eingeschleusten Agenten enttarnen, sagte der kolumbianische Verteidigungsminister Juan Manuel Santos am Samstag in Madrid. „Die Gefahr, dass etwas durchsickern könnte, war sehr groß.“ Das Risiko für die Entführungsopfer sei jedoch minimal gewesen.

          Hundertprozentig kolumbianischer Einsatz

          Der Minister wies auch Berichte zurück, es sei Lösegeld gezahlt worden. Diese Behauptung sei bloß ein Versuch, die Operation „Jaque“ (Schach) in Verruf zu bringen. Zudem betonte er, es habe sich um einen „hundertprozentig kolumbianischen“ Einsatz gehandelt. „Wir haben den Köder ausgeworfen, und der Fisch hat angebissen“, sagte Santos. „Als er angebissen hatte, haben wir Präsident Alvaro Uribe gefragt, ob wir den Fisch aus dem Wasser ziehen sollten“, fuhr er fort. Der Staatschef habe ohne zu zögern grünes Licht gegeben.
          Betancourt war im Februar 2002 von der linken Rebellengruppe „Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens“ (FARC) verschleppt worden.

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