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Besuch bei Putin : Steinmeier wirbt für Annäherung zwischen Moskau und Berlin

Vorsichtige Annäherung: Steinmeier trifft Putin. Bild: AP

Erstmals seit sieben Jahren besucht wieder ein Bundespräsident Russland. Frank-Walter Steinmeier will „der gewachsenen Entfremdung zwischen unseren Ländern etwas entgegensetzen“.

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          Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist am Mittwoch im Kreml mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zusammengetroffen. Während Putin zu Beginn des Gesprächs lediglich sagte, er hoffe, dass der Besuch die Beziehungen zwischen Deutschland und Russland stärken helfe, schlug Steinmeier einen kritischeren Ton an. „Ich bin auch hier, um auszuleuchten, wie wir unsere Beziehungen, mit denen wir beide nicht zufrieden sein können, in Zukunft besser gestalten können“, sagte der Bundespräsident.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Er sei überzeugt, so Steinmeier weiter, dass „wir als Präsidenten der gewachsenen Entfremdung zwischen unseren Ländern etwas entgegensetzen müssen“. Dafür gelte es, Konflikte zu lösen, „die uns getrennt haben“.

          Moskau gibt eine Kirche zurück

          Steinmeier hatte vor dem Besuch klargemacht, dass er nüchtern und ohne Illusionen in das Gespräch mit Putin gehe. Doch wolle er erkunden, wie Putin in Zukunft das Verhältnis zu Deutschland und Europa sehe. Auch den Ukraine-Konflikt wollte er ansprechen, um zu erkunden, „ob wir der Lösung des Konflikts näher kommen können“. Eine Deeskalation in der Ostukraine und Fortschritte bei der Umsetzung des Minsker Abkommens seien Voraussetzungen dafür, um über eine Lockerung der Sanktionen der Europäischen Union gegen Russland zu reden, sagte Steinmeier vor dem Treffen mit Putin.

          Steinmeier im Kreml: „der gewachsenen Entfremdung zwischen unseren Ländern etwas entgegensetzen“

          Am Mittag hatte der Bundespräsident an einer Zeremonie in der Kathedrale St. Peter und Paul teilgenommen, bei der das zu Stalin-Zeiten enteignete Gotteshaus der Evangelisch-Lutherischen Gemeinde in Russland zurückgegeben wurde. Steinmeier hatte sich noch als Außenminister zusammen mit dem Vorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, für die Rückgabe der Kirche anlässlich des Reformationsjubiläums eingesetzt und seine Reise zum jetzigen Zeitpunkt mit diesem Anlass verbunden. Nach längerem Schweigen willigte der Kreml vor einem Monat in die Rückgabe ein.

          Der Bundespräsident hatte am Mittwochmorgen zunächst die Gesellschaft „Memorial“ besucht, die sich seit drei Jahrzehnten für die Aufarbeitung der stalinistischen Schreckensherrschaft und für die Wahrung der Menschenrechte in Russland einsetzt. Steinmeier traf auch mit dem ehemaligen sowjetischen Staatspräsidenten Michail Gorbatschow zu einem Gespräch zusammen.

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