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Gescheiterter Sozialist : Der Präsident hinterlässt ein linkes Trümmerfeld

  • -Aktualisiert am

Einmaliges Scheitern: François Hollande will nicht nochmal antreten um Präsident zu bleiben. Bild: AFP

Nach fünf Jahren Präsidentschaft verzichtet François Hollande auf eine weitere Kandidatur. Jetzt gibt es nur einen, der die Linken in Frankreich retten könnte.

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          Seine Abdankung hat Francois Hollande wie ein republikanischer Monarch inszeniert. Zur besten Sendezeit, um Punkt 20 Uhr, schalteten alle Fernsehsender in den Elysée-Palast, um Hollandes Verzichts-Ansprache an die Nation zu übertragen. Vor der prunkvollen  Kulisse des Palastes verkündete der Hausherr, dass er in fünf Monaten auszuziehen gedenkt – und die Geschicke Frankreichs lieber einem anderen überträgt.

          Es war das Eingeständnis eines einmaligen Scheiterns. Noch nie war ein Präsident so tief gefallen, dass er nicht mehr die Kraft besaß, die Wähler von neuem um ihr Vertrauen zu bitten. Frankreich hat seit Beginn der V. Republik schon einige tragische Präsidentenabgänge erlebt.

          Jacques Chirac erlitt zum Ende seiner Amtszeit einen leichten Gehirnschlag, Georges Pompidou erlag noch vor Mandatsende seiner Krankheit. Aber Hollande schafft einen Präzedenzfall: Er räumte ein, dass er sich nicht in der Lage sieht, seine Partei und die Linke um sich zu versammeln. Für den ehemaligen sozialistischen Parteivorsitzenden muss dies besonders bitter sein. Gut zehn Jahre (1997 bis 2008) führte Hollande die Partei, aber als Präsident war seine Autorität nicht groß genug, sein Regierungskabinett und seine Fraktion zu disziplinieren.

          Gerade seine in der Partei gelobte Fähigkeit, gegensätzliche Positionen zu versöhnen und die „Synthese“ zu schaffen, sollte sich als seine große Schwäche an der Macht erweisen. Hollande versuchte es allen recht zu machen und brachte alle gegen sich auf. Er selbst hat einmal eingestanden, wie sehr er unter dem Autoritätsverlust litt. So sagte er, der einzige Augenblick, in dem er von der Kritik von innen „in Ruhe gelassen wurde“, sei nach den Terroranschlägen gewesen.

          Der Sozialist hat in seiner Ansprache versucht, seine Bilanz zu beschönigen. Es blieb ihm auch nichts anderes übrig. Doch war bemerkenswert, dass er keinen Nachfolger bestimmte, der mit seinem Segen in den Präsidentschaftswahlkampf ziehen kann. Es zeigt sich, wie sehr der „Verrat“ seines Zöglings und früheren Wirtschaftsministers Emmanuel Macron an ihm nagt. 

          Hollande hinterlässt ein linkes Trümmerfeld. Es steht nun zu erwarten, dass Premierminister Manuel Valls sich daran macht, aus den Ruinen seiner Partei zu retten, was es zu retten gibt. Fünf Monate bleiben dem 54 Jahre alten energischen Regierungschef, seine Partei aus der scheinbar aussichtslosen Lage zu führen. Zunächst muss er sich normalerweise den am 22. und 29. Januar geplanten Vorwahlen stellen.

          Der französische Präsidentschaftswahlkampf verspricht, reich an Überraschungen zu bleiben. Die Franzosen werden in ihrem Wunsch erhört, nicht wieder die Namen François Hollande und Nicolas Sarkozy auf dem Wahlzettel lesen zu müssen. Und Marine Le Pen wird nun wider Erwarten zur dienstältesten Kandidatin.

          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

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