https://www.faz.net/-gpf-u6k7

François Bayrou : Ein Held à la Asterix

François Bayrou: Mit dem „Projekt Hoffnung” ins Präsidentenamt? Bild: REUTERS

François Bayrou will Frankreichs Präsident werden und kämpft gegen das Pariser Establishment. Die Medien fanden den Kandidaten vom Land zunächst kurios, und genau das hat Bayrou einkalkuliert. Umfragen räumen ihm jetzt gute Chancen ein.

          4 Min.

          Den „Pferdeflüsterer“ haben sie ihn in Paris getauft, und es sollte ein wenig spöttisch klingen. Denn François Bayrou kommt nicht nur aus einer Landwirtfamilie, er züchtet Pferde, daheim im Pyrenäenvorland, wo der Bauernhof seiner Vorfahren liegt. Bordères heißt sein Heimatdorf, und hier, vor matschigen Wiesen, hat Bayrou seine Präsidentschaftskandidatur bekanntgegeben.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Das war Anfang Dezember, ein Tross von Journalisten war in den Südwesten gereist, alle fanden es irgendwie kurios, aus der tiefsten Provinz das Rennen auf das höchste Staatsamt in Paris aufzunehmen. Bayrou hatte das genau kalkuliert, die Überheblichkeit der Medien wie die Wirkung auf die Franzosen.

          Gegen „die da in Paris“

          Immer wieder hat er sich als Kandidat gegen „die da in Paris“ bezeichnet, jene Mächtigen in Politik und Presse, die über die Köpfe der Bürger hinweg entschieden, die das Volk belächeln und mit dem Großkapital heimlich gemeinsame Sache machten.

          Der Mann aus der Provinz ist im Wahlkampf angelangt

          Bayrous Strategie ist aufgegangen, das haben zumindest die Meinungsforschungsinstitute herausgefunden, die dem Mann aus der Gascogne inzwischen zutrauen, in den zweiten Wahlgang der Präsidentenwahlen am 6. Mai zu gelangen. Wenn er das schafft, sagen die Umfrageinstitute, würde er sich in der Stichwahl sowohl gegen die Sozialistin Ségolène Royal als auch gegen den Rechtsbürgerlichen Sarkozy durchsetzen. Im ersten Wahlgang läge Bayrou heute nach mehreren Umfragen gleichauf mit Frau Royal und nur noch wenige Prozentpunkte (zwischen zwei und vier) vom Favoriten Sarkozy von der UMP entfernt.

          Ein bedächtiger Familienvater der Nation

          Bayrou hat es verstanden, seine Schwächen in Stärken zu verwandeln. Denn der ehrgeizige, machthungrige Sarkozy beunruhigt trotz aller Läuterungsversuche bürgerliche Wähler: Er spricht schnell und verspricht viel, seine Augen blitzen durchtrieben, wenn er seine Gesprächspartner intelligent übertrumpft. Bayrou, der als Kind gestottert hat, artikuliert immer ganz deutlich, sein Redefluss ist langsam, er blickt wohlwollend.

          Sarkozy will Frankreich aufrütteln, es für die Globalisierung fit machen, ungeachtet jener, die dabei vielleicht auf der Strecke bleiben. Bayrou hingegen nimmt sich wie ein bedächtiger Familienvater der Nation aus. Er will die ihm Anvertrauten auch auf den rechten Weg bringen, aber ohne Tritte in den Hintern. Sechs Kinder hat der 55 Jahre alte Bayrou mit seiner Frau Elisabeth großgezogen, er weiß Disziplin und Respekt genauso wie Vertrauen und Eigenverantwortung zu schätzen.

          Barmherziger Gegenpunkt

          „Projekt Hoffnung“ hat Bayrou das Buch zu seiner Präsidentschaftskandidatur betitelt, in dem er in christlich-demokratischer Tradition für eine soziale Marktwirtschaft plädiert, für Wettbewerb und Freihandel, aber nicht als Selbstzweck und Werteersatz in einer Konsumgesellschaft. Sarkozy haftet als Innenminister das Bild des „obersten Sheriffs“ an, er gilt als unnachgiebig, wenn nicht hartherzig. Bayrou setzt seine vom christlichen Weltbild geprägte Barmherzigkeit dagegen. „Ich bin gläubiger Katholik und praktizierend, wie man das heutzutage so sagt“, schreibt Bayrou im „Projekt Hoffnung“. Im säkularisierten Frankreich, in dem die traditionellen Familienstrukturen aufgebrochen sind, sprechen Politiker nur noch selten über ihren Glauben.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.