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Nach der Flut in Henan : Die chinesische Regierung sucht nach Schuldigen

So viel Niederschlag wie noch nie: weggeschwemmte Autos am Eingang eines Tunnels am 22. Juli in Zhengzhou Bild: AFP

Zwei Wochen nach dem Starkregen in der chinesischen Provinz Henan ist die Zahl der Todesopfer abrupt von 99 auf 302 nach oben korrigiert worden. Nun sucht die Regierung nach den Verantwortlichen in den Lokalbehörden.

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          Der alte Mann steht auf einem schmalen Steg inmitten von überfluteten Weizenfeldern. Ratlos und ungläubig schaut er sich um. „Es steht alles unter Wasser“, sagt der Bauer nur. Von hinten nähert sich schon eine Mitarbeiterin des Dorfkomitees. „Das dürfen Sie nicht“, ruft sie von weitem, während sie auf dem glitschigen, morastigen Steg nur langsam vorankommt. „Sie dürfen nur Interviews führen, die von der Propagandaabteilung genehmigt wurden.“

          Friederike Böge
          Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.

          Die Vorschriften der Zentralregierung in Peking sagen zwar etwas anderes, aber das interessiert hier in den Flutgebieten der chinesischen Provinz Henan niemanden. Für ihre Akte fotografiert die Aufpasserin noch das Nummernschild des Taxifahrers, der die Journalistin hierhergefahren hat. Offenbar sind die Dorfbewohner schon vorher angehalten worden, sich nicht zu äußern. Die einfache Frage, ob die Bauern mit staatlicher Entschädigung für ihre Ernteausfälle rechnen, will hier niemand beantworten.

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