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Flugzeugkatastrophe in Iran : Was wir über den Absturz wissen

  • Aktualisiert am

Rettungskräfte sind nach dem Absturz einer ukrainischen Passagiermaschine an der Absturzstelle nahe Teheran im Einsatz. Bild: dpa

Unabhängige Untersuchungsberichte dürfte es so bald nicht geben. Doch vieles deutet darauf hin, dass das ukrainische Passagierflugzeug versehentlich abgeschossen wurde. Das wissen wir über den Absturz.

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          Am Mittwochmorgen war kurz nach fünf Uhr in der Nähe des Imam-Chomeini-Flughafens der iranischen Hauptstadt Teheran ein ukrainisches Passagierflugzeug vom Typ Boeing 737-800 abgestürzt. Bei dem Unglück kamen alle 176 Menschen an Bord ums Leben – darunter 63 Kanadier, sowie Passagiere aus Iran, der Ukraine, Afghanistan, Schweden und Großbritannien.

          Was passiert ist

          Das Flugzeug von Ukraine International Airlines mit der Flugnummer PS752 war auf dem Weg von Teheran nach Kiew und stürzte wenige Minuten nach dem Abflug auf einem offenen Feld südwestlich der iranischen Hauptstadt nahe dem Vorort Parand ab. Augenzeugen berichteten laut der iranischen Zivilluftfahrt-Organisation (CAO), dass die Maschine in Brand geraten sei. Das Flugzeug aus dem Jahr 2016 war erst am Montag vor dem Vorfall überprüft worden. Für die Airline ist es der erste tödliche Unfall einer Passagiermaschine seit Betriebsaufnahme. Die Fluggesellschaft hat bis auf weiteres alle Flüge nach Teheran eingestellt.

          Aktuell verdichten sich die Hinweise auf einen versehentlichen Abschuss durch eine iranische Rakete. Kanada und Großbritannien haben nach eigenen Angaben Informationen, die auf den Abschuss der Maschine durch eine iranische Rakete hinweisen. Bei der Rakete soll es sich um ein Exemplar des russischen „Tor“-Systems handeln. Auch mehrere amerikanische Medien berichteten am Donnerstag unter Berufung auf Quellen in den Geheimdiensten und im Pentagon, dass Washington offenbar Informationen habe, die diesen Verdacht nahelegen. Teheran weist dies weiterhin vehement zurück.

          Opfer der Katastrophe

          Bei dem Unglück kamen 176 Menschen ums Leben (die Liste der Passagiere auf der Webseite der Fluggesellschaft finden Sie hier). Wie die Nachrichtenagentur AFP schreibt, sind unter den verunglückten Passagieren 82 Iraner, 63 Kanadier und elf Ukrainer - neun davon Besatzungsmitglieder. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes befinden sich keine deutschen Staatsbürger unter den Opfern. Nach Informationen der F.A.Z. ist bei dem Vorfall allerdings eine gebürtige Iranerin ums Leben gekommen, die als Doktorandin am Max-Planck-Institut für Polymerforschung in Mainz tätig war. Sie war auf dem Nachhauseweg nach dem Weihnachtsurlaub in Iran.

          Zudem ist wohl eine in Nordrhein-Westfalen lebende Frau aus Afghanistan mit ihren beiden Kindern ums Leben gekommen. Es handelte sich um eine anerkannte Asylbewerberin (30) sowie ihre Tochter (8) und ihren Sohn (5), die seit mehreren Jahren in Werl bei Soest lebten – dies sagte der Bürgermeister der Stadt, Michael Grossmann (CDU), der Deutschen-Presse-Agentur. Er berief sich auf den in Werl lebenden Bruder der Frau. Zuvor hatte der „Soester Anzeiger“ online darüber berichtet.

          Mögliche Ursachen

          Über die Absturzursachen wird derweil noch spekuliert. Im Internet kursieren Fotos und Videos zum Absturz, deren Echtheit allerdings bisher nicht belegt war. Die New York Times hat nach eigener Aussage jetzt mehrere Videos verifiziert, auf denen Abschuss und Explosion des Flugzeugs zu sehen sein sollen. Iran vertritt nach wie vor die Ansicht, ein technischer Defekt habe zu dem Unfall geführt. Die Maschine habe sich zum Zeitpunkt des Absturzes bereits auf dem Rückflug befunden, erklärte die iranische Zivilluftfahrt-Organisation (CAO) in einem ersten Untersuchungsbericht, den sie in der Nacht zum Donnerstag auf ihrer Internetseite veröffentlicht hat. Die Maschine verschwand nach Angaben der Ermittler bei einer Flughöhe von 8000 Fuß (2400 Metern) plötzlich von den Radarschirmen, ohne dass der Pilot über Funk über „ungewöhnliche Umstände“ berichtet habe. Die Ermittler gaben an, sowohl Zeugen am Boden wie auch an Bord einer zweiten Maschine befragt zu haben, die zum Zeitpunkt des Unglücks über der ukrainischen Boeing 737 geflogen sei. 

          Wer ermittelt?

          Nach Angaben der iranischen Staatsanwaltschaft wurden die beiden Blackboxen mit den Flugdaten geborgen. Der Flugschreiber und der Voice Recorder, der Gespräche im Cockpit aufzeichnet, sind laut der iranischen Behörde im Besitz der Ermittler und sollen an diesem Freitag geöffnet werden. Neben Fachleuten aus Iran und der Ukraine beteiligen sich auch Boeing-Fachleute aus Amerika, Kanada und Frankreich an den Untersuchungen zur Absturzursache. Auch Schweden verlangt jetzt, an den Ermittlungen beteiligt zu werden.

          Die iranische Luftfahrtbehörde hatte sich zunächst geweigert, amerikanische Ermittler an den Untersuchungen teilnehmen zu lassen. Am späten Donnerstagabend teilte Iran laut der französischen Nachrichtenagentur AFP mit, dass Boeing bei der Untersuchung des Absturzes eingeladen sei. Die amerikanische Luftfahrtbehörde NTSB wird sich auf Einladung Irans an den Ermittlungen zum Absturz  beteiligen.

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