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Abschuss aus Versehen? : Im Nebel des Krieges

Wrackteile des abgestürzten Flugzeugs nahe Teheran Bild: AP

Die Iraner müssen ausländische Fachleute an der Untersuchung der Flugzeugkatastrophe beteiligen. Und die Amerikaner sollten ihre Satellitenbilder veröffentlichen.

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          Was war die Ursache dafür, dass 176 Menschen sterben mussten, die an Bord eines ukrainischen Flugzeugs auf dem Weg von Teheran nach Kiew waren? Die iranischen Behörden waren schnell bei der Hand mit der Behauptung, ein technischer Defekt habe zu dem Absturz geführt. Und sie haben Verwirrung gestiftet mit Äußerungen zum Zustand wichtiger Geräte, die Aufschluss geben könnten. Einen Abschuss durch eine iranische Rakete, auch aus Versehen, schließen sie vehement aus.

          Darauf deuten aber offenbar Radar- und Satellitenaufzeichnungen sowie Videos hin. Der kanadische Regierungschef, der den Tod von 63 Landsleuten beklagt, hält die Informationen aus verschiedenen Quellen für glaubhaft; andere führende westliche Politiker tun das auch.

          Ein Abschuss aus Versehen, so furchtbar das an sich ist, wäre nicht unplausibel. Nach dem Angriff auf zwei auch von Amerikanern genutzte Basen im Irak waren die Iraner mutmaßlich hochnervös, eine amerikanische Reaktion konnte nicht ausgeschlossen werden. Die Besatzung der Raketenbatterie könnte in Panik gehandelt haben. Das widerspräche Behauptungen, die eigenen Systeme könnten zwischen zivilen und militärischen Fluggeräten unterscheiden, die Mannschaften seien geschult.

          Trump hält sich auffallend zurück

          Warum war trotz gespannter Lage der Flughafen von Teheran nicht geschlossen worden? Nur ein Versäumnis? Man kann auch darüber nur spekulieren.

          Im „Nebel des Krieges“ passieren schlimme Dinge, die im engeren Sinne nicht beabsichtigt waren. Aber einfach zufriedengeben mit der Feststellung „Welche Tragödie!“ darf man sich nicht. Die Regierung Trump muss früh im Bilde gewesen sein; der Präsident hält sich mit Anschuldigungen gegen Teheran auffallend zurück. Vielleicht, weil er fürchtet, ihm könne eine Mitschuld an dem Tod so vieler Unschuldiger gegeben werden?

          Iran muss jedenfalls ausländische Fachleute an der Untersuchung beteiligen und die Flugschreiber aushändigen. Berichte vom Absturzgelände stimmen pessimistisch: Die Trümmer seien bereits weggebracht worden. Washington sollte also seine Satellitenaufzeichnungen öffentlich machen.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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