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Flugverbot für Ägypten : Putins Eiertanz

Bild: Reuters

Tagelang warnte Moskau vor „voreiligen Schlüssen“ aus dem Flugzeugabsturz auf dem Sinai. Präsident Putin hielt sich bedeckt. Jetzt schwenkt der Kreml auf die Linie Londons ein.

          Im Westen erhielt die These, eine Bombe habe die 224 Menschen an Bord des russischen Airbus über dem Sinai in den Tod gerissen, in den vergangenen Tagen immer mehr Nahrung. Nach und nach strichen etliche Anbieter ihre Flüge nach Scharm al Scheich, den Badeort am Roten Meer, von dem Flug Nummer 9268 am Samstagmorgen in Richtung Sankt Petersburg gestartet war. Doch Russlands Vertreter warnten währenddessen vor „voreiligen“ Schlüssen. Ministerpräsident Dmitrij Medwedjew ordnete zwar an, die Sicherheitsvorkehrungen für russische Flüge zu verstärken, hob aber hervor, das gelte nicht nur für Ägypten. Russische Flugzeuge flogen Scharm al Scheich weiterhin an, auch wenn Russlands Reiseanbieter über einen Nachfrageeinbruch klagten. Dieselben Anbieter lobten am Freitagnachmittag prompt die Entscheidung von Präsident Wladimir Putin, nun doch den Flugverkehr mit Ägypten vorerst zu untersagen und nur die Touristen aus Russland zurückzuholen.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Die Entscheidung sei geschäftlich hart, aber „Menschenleben“ seien wichtiger, hieß es von Seiten ihres Verbandes. Zuvor hatte Alexander Bortnikow, der Direktor des Geheimdienstes FSB, mitgeteilt, solange man die „wahren Gründe des Geschehenen“ nicht ermittelt habe, sei es „ratsam“, die russischen Flüge nach Ägypten einzustellen. „Das betrifft vor allem die touristischen Kanäle“, fügte Bortnikow hinzu. Es sei wichtig, „absolut objektive Daten“ zu erhalten; die Ermittlungen müssen so lange dauern, wie sie eben brauchten. Bortnikow äußerte sich nach einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats mit Putin. Ohnehin war klar, dass es auf seine Güterabwägung ankam.

          Widersprüchliches in Moskau

          Die Sicherheit spielt dabei eine Rolle, respektive das Ansehen des Staates und damit der Führung. Auf der anderen Seite steht Russlands Verhältnis zu Ägypten, das sich unter dem Machthaber Abd al Fattah al Sisi deutlich verbessert hat. Die Führung in Kairo hat in den vergangenen Tagen klar gemacht, dass sie alle Selbstbezichtigungen islamistischer Terroristen zum Ende von Flug 9268 für „Propaganda“ hält. Immer wieder hatten sich ägyptische Angaben zum „Absturz“ mit Aussagen russischer Ermittler zum „Geschehenen“ widersprochen. Aus Moskau waren in den vergangenen Tagen, in denen nicht klar war, zu welcher Einschätzung Putin gekommen war, Demonstrationen von Stärke und Gelassenheit gekommen, die mit Bortnikows Wortmeldung vom Freitag überholt schienen.

          So hatte Putins Sprecher Dmitrij Peskow an die Adresse der einen Terroranschlag argwöhnenden britischen Regierung gesagt, wenn es etwas Handfestes gebe, sollte es vorgelegt werden, alles andere seien „Vermutungen“ oder gar „Spekulationen“. Womöglich wurden den Mitgliedern der Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats dann entsprechende Daten vorgelegt – das blieb am Freitag Spekulation. Der Leiter der russischen Flugaufsicht Rosawiazija, Alexander Neradko, hatte am Donnerstag im Staatssender Rossija 24 angekündigt, Trümmer- und Gepäckteile sowie die Leichname der Opfer auch auf Spuren einer Explosion zu untersuchen, was einige Monate dauern könne. Dann war Neradko indes zum Angriff übergegangen: Die Ermittlungen zu Flug 9268 gründeten nicht auf der Formulierung von „Versionen“, für die dann Beweise gesucht würden, wie es im Fall der „Katastrophe von MH17“ im vorigen Jahr über der Ostukraine gewesen sei. Seinerzeit hatte Neradko der Ukraine die „volle Verantwortung“ zugeschoben, da sie ihren Luftraum nicht gesperrt hatte. „Alles Übrige“, sagte Neradko im Oktober 2014 mit Blick auf Vorwürfe an Russland und seine Separatisten, seien bloß „haltlose Vermutungen“.

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