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Flugverbot für Ägypten : Putins Eiertanz

Konstantin Kosatschow, der Vorsitzende des Außenpolitischen Ausschusses des Föderationsrats, des russischen Oberhauses, hatte die Entscheidung der Regierung in London, Flüge nach Scharm al Scheich zu untersagen, mit „geopolitischem Widerstand“ gegen Russlands Militäroperation in Syrien in Zusammenhang gebracht. Es gebe „auf der Welt genug“ Leute, die in „dieser Katastrophe“ gern eine „Antwortreaktion der Dschihadisten“ an die Adresse Russlands sähen, äußerte Kosatschow am Donnerstag. Damit missachtete er eigentlich eine Aussage Peskows vom Dienstag, nach der Russlands Militäroperation in Syrien und das Ende von Flug 9268 „unterschiedliche Fragen“ seien, die man nicht miteinander in Verbindung bringen solle.

Annäherung an den Westen?

Putin selbst hatte sich in den vergangenen Tagen zu dem Thema, das Russland bewegt, bedeckt gehalten. Am Samstagmittag hatte er den Hinterbliebenen in einer Erklärung auf der Website des Kreml zwar sein Beileid erklärt. Doch erst am Montagmittag zeigte ihn das Staatsfernsehen mit einer Beileidsbekundung; der Präsident saß am Schreibtisch neben seinem Verkehrsminister. Am Dienstagabend sagte der Präsident bei einer Ausstellungseröffnung, Versuche, Russland „einzuschüchtern“, seien aussichtslos. „Unser Ziel“, sagte Putin da, sei „ob in Syrien oder wo auch immer“ der „Kampf gegen den Terrorismus“. Mancher sah darin schon eine Einstimmung auf die Möglichkeit, es sei über dem Sinai tatsächlich ein Terroranschlag verübt worden.

Am Flughafen von Scharm al Scheich warten britische und russische Urlauber auf ihren Heimflug.
Am Flughafen von Scharm al Scheich warten britische und russische Urlauber auf ihren Heimflug. : Bild: Reuters

Sollte sich das bewahrheiten, würde Putins Intervention in Syrien womöglich vereinzelt in Russland kritisiert. Doch der Wagenburgeffekt wäre wohl stärker. Zudem hat der Kreml die Intervention einerseits mit der Unterstützung des „legitimen Präsidenten“ Baschar al Assad, andererseits mit einem „Kampf gegen den Terror“ begründet. Letztere Komponente dürfte nun stärker in den Vordergrund treten. Eine Annäherung an den Westen, die mit Informationsaustausch zu den Dschihadisten auf dem Sinai und zum Ende von Flug 9268 beginnen könnte, wäre nun zwar denkbar. Aber zugleich auch das Gegenteil, zumal die innenpolitische Hexenjagd auf angebliche „Agenten“ des Westens ungetrübt weitergeht.

Ramsan Kadyrow, Putins Mann in Tschetschenien, hatte passend dazu am Donnerstag gegenüber dem Kremlsender NTW wieder einmal die in Russland verbreitete These genährt, islamistischer Terror sei ein westliches Kampfmittel gegen Russland. Er sagte, wenn Russland nicht in den syrischen Konflikt eingegriffen hätte, wären schon „Tausende Kämpfer“ zurück in Russland. Denn „der Westen und Europa“ hätten die Gegner Assads einschließlich der „Terrororganisationen“ aufgebaut und wollten sie nun „nach Hause“ schicken.

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