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Flughafen Valencia : Der Koloss von Castellón

  • -Aktualisiert am

„Der Keim und das Sperma“: Ripollés’ Monument am Eingang des Flughafens Bild: dpa

Auf dem nagelneuen Flughafen ist zwar noch nie ein Flugzeug gelandet, doch Provinzfürst Carlos Fabra hat sich trotzdem eine monumentale Statue an den Eingang bauen lassen. Ein modernes Sinnbild dafür, was alles falsch läuft in der spanischen Pleiteregion Valencia.

          Carlos Fabra hat sich einen nagelneuen Flughafen bauen lassen, auf dem seit der Einweihung im Frühling noch kein Flieger gelandet ist - und wahrscheinlich auch noch lange Zeit nicht landen wird. Dafür wurde in dieser Woche eine monumentale Statue von Fabra, dem Vater der Investitionsruine, enthüllt. Und mancher traute seinen Augen nicht, als er sah, dass tatsächlich aus dem Kopf des „Kolosses von Castellón“ ein kleines Aluminiumflugzeug herausragt, gerade so wie die silberne Zierspitze eines Weihnachtsbaums.

          Fabras Flughafen ist das moderne Sinnbild dafür, was alles nicht stimmt in der spanischen Pleiteregion Valencia am Mittelmeer. Unter den 17 Regionen des Landes ist sie diejenige die, gemessen an ihrer Größe, die meisten Schulden aufgetürmt hat. Seit 16 Jahren von der konservativen Volkspartei (PP) regiert, leistete man sich dort in der gleichnamigen Hauptstadt einen Formel-1-Grand-Prix, den America’s Cup der Segler sowie eine neue Kultur- und Wissenschaftsstadt mit Bauten des lokalen Stararchitekten Santiago Calatrava.

          Der Rechnungshof seufzt nur noch

          Da wollte der Provinzfürst Fabra, einst Regierungschef von Castellón und immer noch PP-Parteivorsitzender dort, nicht zurückstehen. Wenigstens einen Flughafen wollte er haben, der Touristen und Fluggesellschaften anlocken sollte. Gesagt, getan. Er gab das 150-Millionen-Euro-Projekt mit Zustimmung des regionalen Ministerpräsidenten Francisco Camps in Auftrag und bestellte im Jahr 2010 noch gleich als Schmuckstück am Eingang für 300.000 weitere Euro bei dem Bildhauer Juan Ripollés sein modernistisches Ebenbild. So wuchs im gleichen Rhythmus mit dem Flughafen der 24 Meter hohe und 20 Tonnen schwere Kopf, über den Fabra stolz sagte: „Ripollés hat sich von mir inspirieren lassen und, wie ich glaube, nicht unverdienterweise. Denn ich hatte mit dem Flughafen ja viel zu tun.“ Und der Künstler setzte noch einen darauf, wenn er sagte: „Diese Figur, aus deren Kopf ein Flugzeug aufsteigt, ist der Keim und das Sperma der Geburt des Werkes.“

          Der Status quo ist nun, dass der Flughafen aus kriseligen Wirtschaftsgründen erst einmal nicht benutzt wird. Ähnliche Fälle hat es in den vergangenen Jahren im halben Dutzend in Spanien gegeben. Wer etwa nach Albacete, Burgos, Ciudad Real, Córdoba, León oder Lérida schaut, findet Prestigeobjekte von Provinzpolitikern vor, die entweder halb oder ganz unrentabel sind, weit hinter den erwarteten Passagierzahlen zurückblieben und zum Teil schon wieder stillgelegt werden mussten.

          Castellón, wo auch noch 30 Millionen Euro öffentlicher Gelder - den Flughafen baute eine Gesellschaft, die dem Staat gehört - für eine ziemlich nutzlose Werbekampagne ausgegeben wurden, schießt aber in jeder Hinsicht den Vogel ab. „Inspirator“ Fabra, dem die Steuergelder locker saßen und der Verträge ohne viel Federlesens oder komplizierte Ausschreibungen selbst vergab, ist inzwischen in ein Verfahren wegen Steuerdelikten verwickelt. Und der Rechnungshof seufzt nur noch. Camps wiederum, der sich von einem in die „Gürtel“-Affäre verwickelten Lobbyisten Maßanzüge schenken ließ, musste schon zurücktreten.

          Talent zu selektiver Wahrnehmung

          Valencia ist zahlungsunfähig und hat daher als erste spanische Region soeben bei der Zentralregierung eine Milliardenhilfe beantragt, um seine Schulden und auch die Rechnungen der Apotheker bezahlen zu können. Sogar Bildhauer Ripollés grantelt und behauptet, er habe von den 300.000 Euro Honorar noch so gut wie nichts gesehen. Aber der Koloss steht, und Fabra bekommt feuchte Augen, wenn er ihn sieht.

          Der Politiker hat ohnehin ein Talent zu selektiver Wahrnehmung, welches er schon bei der Einweihung unter Beweis stellte. So sagte er auf die respektlose Journalistenfrage, warum denn auf dem Flughafen keine Flugzeuge landeten: „Dies ist ein Flughafen für die Menschen. Jeder Bürger kann ihn kostenlos besuchen und herumspazieren. Das wäre so nicht möglich, wenn hier ständig Flugzeuge starten und landen würden.“

          Nicht nur der Flughafen, auch der eiserne Fabra-Kopf ist unstreitig etwas für die Menschen. Letzterer wird schon mit dem legendären Koloss von Rhodos verglichen, welcher zwar nicht den Eingang zu einem Flughafen, doch zu einem Hafen zierte. Fabras Ebenbild mit der Aluminiumspitze dürfte auch, anders als das griechische Vorbild aus dem Jahr 292, nicht nach wenigen Monaten umstürzen. Und seinem Schöpfer Ripollés dürfte auch nicht das tragische Schicksal seines antiken Kollegen Chares von Lindos beschieden sein, der mit seinem Koloss den Kostenvoranschlag kolossal überzog - und den Freitod dem Ruin vorzog.

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