https://www.faz.net/-gpf-9pzxt

Flughafen Hongkong : Alle Abflüge wegen Protests gestrichen

  • Aktualisiert am

Eine Demonstrantin wurde am Wochenende von einem Gummigeschoss schwer im Gesicht verletzt. Am Montag forderte die Menge am Flughafen, die Polizei solle ihr Auge „zurückgegeben“. Bild: Reuters

Tausende haben am Hongkonger Flughafen demonstriert und den Betrieb lahm gelegt. Die chinesische Regierung spricht von „Terrorismus“. Augenbinden wurden am Montag zum Symbol des Protests.

          Wegen der anhaltenden Proteste der Demokratie-Bewegung hat Hongkongs Flughafen am Montag sämtliche Abflüge für den Rest des Tages gestrichen. Der Flughafen gilt als wichtiges Drehkreuz in Südostasien und ist einer der belebtesten Flughäfen weltweit.

          Tausende Demonstranten versammelten sich in der Abflugs- und Ankunftshalle, um gegen die Regierung und gegen die Polizeigewalt bei vorangegangenen Protesten in der Stadt zu protestieren. Wie der Flughafen mitteilte, wurde der Check-in für die verbleibenden Flüge wegen ernsthafter Störungen des Betriebs ausgesetzt.

          Das Auswärtige Amt wies auf die Streichungen hin und riet angesichts der aktuellen Lage in Hongkong weiterhin dazu, lokale Medien zu verfolgen, Demonstrationen und Menschenansammlungen weiträumig zu meiden und den Anweisungen der Sicherheitskräfte Folge zu leisten.

          Schwarz gekleidete Aktivisten skandierten im Flughafen Parolen. Die Polizei solle einer Demonstrantin, die am Wochenende durch ein Gummigeschoss schwer im Gesicht verletzt worden war, ihr Auge „zurückgeben“. Viele der Demonstranten trugen aus Protest Augenbinden mit roter Farbe. Auch zeigten sie Bilder von Polizisten, die mit Schlagstöcken und Tränengas gegen die Demonstranten vorgegangen waren. Viele der Regierungsgegner verließen am frühen Abend den Flughafen. Einige Hundert blieben aber zunächst im Gebäude, wie die Hongkonger Zeitung „South China Morning Post“ berichtete.

          Derweil übte sich Peking in martialischer Symbolik. Zeitgleich mit den Protesten am Flughafen veröffentlichte die staatliche Zeitung „Global Times“ am Montag ein Video, das Polizeieinheiten mit gepanzerten Fahrzeugen in Shenzhen, der Nachbarstadt Hongkongs, zeigte. Die Polizei bereitet sich demnach auf eine Übung vor. Ein ähnliches Manöver mit Tausenden Polizisten hatte es in Shenzhen schon in den vergangene Wochen gegeben.

          „Anzeichen von Terrorismus“

          Die chinesische Regierung hat die Proteste sogar mit „Terrorismus“ in Verbindung gebracht. „Radikale Demonstranten“ hätten wiederholt Polizisten mit „äußerst gefährlichen Gegenständen“ angegriffen, sagte Yang Guang, Sprecher des für die chinesischen Sonderverwaltungszonen Hongkong und Macau zuständigen Büros des Staatsrats, am Montag. Dies sei „ein schweres Gewaltverbrechen“ und zeige „erste Anzeichen von Terrorismus“.

          Yang verurteilte das gewalttätige Verhalten einer „kleinen Minderheit“ der Demonstranten. Dies stelle eine „ernsthafte Herausforderung für Hongkongs Wohlstand und Stabilität“ dar. Die „Kriminellen“ müssten so schnell wie möglich vor Gericht gebracht werden, sagte der Sprecher weiter.

          Tausende Demonstranten haben sich am Montag am Flughafen in Hongkong versammelt.

          Die Lufthansa strich wegen der anhaltenden Proteste am Flughafen mehrere Flüge nach Hongkong. Betroffen waren Lufthansa-Verbindungen von München und Frankfurt sowie der Swiss nach Zürich, wie ein Sprecher mitteilte. Die Entscheidung gelte zunächst nur für den Montag, die Lage müsse in den Folgetagen jeweils neu bewertet werden. Derzeit stünden in Hongkong zwei Lufthansa-Langstrecken-Jets. Den betroffenen Passagieren würden kostenfrei Umbuchungen angeboten.

          In der einstigen britischen Kronkolonie Hongkong kommt es seit zwei Monaten immer wieder zu massiven Protesten, die regelmäßig mit Ausschreitungen enden. Auslöser für die Demonstrationen war ein – inzwischen auf Eis gelegter – Gesetzentwurf zur Auslieferung mutmaßlicher Krimineller an China. Die Demonstrationen entwickelten sich zu einer breiteren Bewegung. Viele Menschen befürchten einen zunehmenden Einfluss Pekings auf das Leben in der Stadt und fordern demokratische Reformen.

          Weitere Themen

          Boris Johnson trifft Kanzlerin Merkel Video-Seite öffnen

          Livestream : Boris Johnson trifft Kanzlerin Merkel

          Am Mittwoch wird der neue britische Premierminister Boris Johnson zu seinem ersten Staatsbesuch in Berlin erwartet. Verfolgen Sie das Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel im Livestream auf FAZ.NET

          Topmeldungen

          Bundesfinanzminister Olaf Scholz

          Nach Vorstoß von Söder : Scholz prüft Verbot von Negativzinsen

          Nach dem Vorstoß aus Bayern will nun der Bundesfinanzminister die rechtliche Grundlage von Strafzinsen überprüfen lassen. Diese seien eine „echte Belastung für private Sparer“. Er fordert die Banken auf, auch ohne Verbot darauf zu verzichten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.