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Flüchtlingsschiff : Kapitän der „Blue Sky M“ schildert Schleusermethoden

  • Aktualisiert am

Am Silvestermorgen erreichte die „Blue Sky M“ mit hunderten Flüchtlingen an Bord den italienischen Hafen Gallipoli. Bild: Reuters

Der syrische Kapitän des Flüchtlingsschiffs „Blue Sky M“ packt aus und berichtet, wie ihn die Schleuser für den Menschenschmuggel anheuerten. Die Schlepper zahlten ihm 15.000 Dollar und boten ihm an, seine gesamte Familie mitzunehmen.

          Der von den Schleusern angeheuerte Kapitän des Flüchtlingsschiffs „Blue Sky M“, das am Dienstag führerlos vor der italienischen Küste aufgegriffen wurde, hat der Polizei nach Zeitungsinformationen die Fahrt des Frachters geschildert. Die Menschenschmuggler hätten ihm 15.000 Dollar (12.450 Euro) geboten sowie die Möglichkeit, seine gesamte Familie mitzunehmen, sagte der 36 Jahre alte Syrer Sarkas Rani laut einem Bericht der Zeitung „La Repubblica“ (Sonntagsausgabe) im Verhör der Polizei, die ihn nach der Ankunft des Schiffs im süditalienischen Hafen Gallipoli am Mittwoch festnahm.

          Als Flüchtling im Libanon sei er von einem Bekannten kontaktiert worden, der wusste, dass er Schiffskapitän war, sagte Rani. Die beiden Männer hätten sich in Istanbul getroffen und das Geschäft besiegelt. Mit drei weiteren Männern habe er sich auf der „Blue Sky M“ eingeschifft. Diese sei vor dem türkischen Hafen Mersin nahe der syrischen Grenze vor Anker gegangen. Nach zwei Tagen habe ein Boot die erste Flüchtlingsgruppe gebracht. Nach vier Tagen seien knapp 800 Menschen an Bord gewesen, sagte Rani dem Bericht zufolge.

          Laut „Repubblica“ schalteten die Schmuggler eine Anzeige auf Facebook, in der sie eine Überfahrt nach Italien für 5500 Dollar anboten. Bei Gruppen ab 25 Menschen gab es demnach einen Rabatt auf 4500 Dollar. Wie Rani weiter schilderte, wurde das Schiff vor Mersin nie von den türkischen Behörden kontrolliert. Als es voll war, habe er persönlich die Route nach Italien festgelegt. Vor Griechenland habe er wegen der rauhen See von den Behörden die Erlaubnis erbeten, in einer Bucht Schutz zu suchen, was ihm gewährt worden sei.

          Keine Kontrollen

          Zu keinem Zeitpunkt hätten die griechischen Behörden das Schiff überprüft, sagte Rani. Die Hafenpolizei hatte das Schiff zwar kontaktiert, nachdem Medien über hunderte Flüchtlinge an Bord berichtet hatten, doch ließ sie das Schiff passieren. Als sich das Schiff Italien näherte, setzte Rani es mit sechs Knoten (elf Stundenkilometer) auf Kurs zur Küste und verließ die Brücke, um sich unter die anderen Flüchtlinge zu mischen. Ohne die rechtzeitige Intervention der italienischen Küstenwache wäre das Schiff wohl auf Land gelaufen.

          Fünf Seemeilen (neun Kilometer) vor der Küste gelang es Mitgliedern der Küstenwache, sich vom Helikopter auf die „Blue Sky M“ abzuseilen und die Kontrolle über das Schiff zu übernehmen. Am frühen Mittwochmorgen erreichte das Schiff mit 768 Flüchtlingen dann den Hafen Gallipoli. Zwei Tage später wurde ein zweites führerloses Frachtschiff mit 360 Flüchtlingen an Bord vor der italienischen Küste aufgegriffen. Ob sich im Fall der „Ezadeen“ die Besatzung absetzte oder unter die Flüchtlinge an Bord mischte, ist unklar.

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