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Flüchtlingslager Moria : Deutsche Moral und griechische Versäumnisse

Das Lager Moria war seit Jahren überfüllt, und auch gebrannt hat es dort immer wieder: aus Protest dagegen, nichts auf das Festland zu kommen. Das Foto entstand am 26. April 2016, einen Monat, nachdem das EU-Türkei-Abkommen geschlossen worden war. Bild: Picture-Alliance

Bemerkenswert an der hiesigen Debatte über Moria ist deren Selbstbezogenheit. Der deutsche Reflex schafft aus griechischer Sicht nicht Abhilfe, sondern neue Probleme.

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          Seit dem Brand im Aufnahmelager Moria auf Lesbos wird in Deutschland darüber debattiert, wie viele Menschen aus dem abgebrannten Elendslager Moria aufzunehmen seien. Nur 400 unbegleitete Minderjährige von dort nach Europa zu holen, reiche nicht aus, sagt der Präsident des Deutschen Städtetags, ein SPD-Politiker. Eine ebenfalls sozialdemokratische Abgeordnete des Bundestags fragt, warum Deutschland nicht einfach die Hälfte der Menschen aufnehme, die auf Lesbos in Not sind. Grünen-Chefin Annalena Baerbock ruft unter dem Schlagwort „Wir haben Platz“ dazu auf, gleich alle Menschen aus dem, was einmal Moria war, ins Land zu holen.

          Doch an wen richten sich solche Apelle eigentlich? Bemerkenswert an der deutschen Debatte ist deren Selbstbezogenheit. Argumente der griechischen Seite werden nicht einmal zur Kenntnis genommen. Dabei sollte klar ein: Ohne Billigung Athens wird kein einziger in Not geratener Mensch Lesbos Richtung Deutschland verlassen. Nicht deutsche Kommunen, Abgeordnete, Lobbygruppen oder der Bundesinnenminister haben zu bestimmen, wie es dort weitergeht. Das ist in erster Linie eine Entscheidung der griechischen Regierung.

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