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Flüchtlingsdrama : „Dutzende Tote vor Lampedusa“

  • Aktualisiert am

Touristen beobachten, wie auf Lampedusa eine geschwächte Frau vom Flüchtlingsboot in Sicherheit gebracht wird Bild: AFP

Nach dem es abermals zu Dutzenden Toten auf einem havarierten Flüchtlingsboot vor der libyschen Küste gekommen ist, fordert das italienische Außenministerium, das Nato-Mandat auszuweiten.

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          Wohl mehrere Dutzend Menschen sind bei ihrem Versuch ums Leben gekommen, über das Mittelmeer aus dem Bürgerkriegsland Libyen nach Europa zu fliehen. Eine ganze Woche lang trieb ein Motorschiff, das mit etwa 370 schwarzafrikanischen Migranten an Bord in See gestochen war, auf offener See, bis es am späten Donnerstag von der italienischen Küstenwache aufgebracht und zur Insel Lampedusa geleitet werden konnte.

          „Viele Männer hatten davor nichts anderes tun können, als ihre verdursteten und verhungerten Frauen ins Meer zu werfen“, berichtete dort eine marokkanische Überlebende und zählte etwa 100 Opfer. Die Küstenwache wollte keine genauen Zahlen nennen. Am 1. August waren 25 Tote aus dem Maschinenraum eines anderen Bootes aus Libyen geborgen worden; am 2. Juni sollen bei einem Schiffbruch 270 Migranten ertrunken sein; am 6. Mai sank vor Tripolis ein überladenes Schiff und riss angeblich Hunderte Menschen mit sich in die Tiefe.

          Die jüngste Katastrophe hätte womöglich gemindert werden können, wenn ein zyprischer Schlepper, der als erster einen Notruf des Kutters aufgefangen hatte, zur Hilfe geeilt wäre oder wenn ein Schiff der Nato, das der Zyprer und kurz darauf die italienische Küstenwache angerufen hatten, um dem havarierenden Flüchtlingskutter zu helfen, eingegriffen hätte. Weil das Nato-Schiff, das nur 30 Seemeilen von dem Migrantenkutter entfernt gewesen sei, nicht geholfen habe, fuhren nach italienischen Angaben vier Schnellboote der italienischen Küstenwache von Lampedusa aus 90 Seemeilen (170 Kilometer) aufs Meer hinaus, um den Havaristen zu bergen.

          Rom: Libyen-Mandat der Nato ausweiten

          Innenminister Roberto Maroni von der Lega Nord appellierte an Außenminister Franco Frattini und Verteidigungsminister Ignazio La Russa, die beide zum „Volk der Freiheit“ (PdL) von Ministerpräsident Silvio Berlusconi gehören, „auf internationaler Ebene für Klarheit“ zu sorgen - das Flüchtlingsproblem dürfe nicht allein auf Italien lasten. Das italienische Außenministerium bat am Freitag die Nato um Aufklärung des Vorfalls und forderte zudem, das Libyen-Mandat der Militärallianz auszuweiten: Es solle sich auch auf die Rettung von Zivilisten erstrecken, die über das Meer vor den Kämpfen im Land fliehen wollten, hieß es in einer am Freitag in Rom veröffentlichten Erklärung.

          Auf dem Kutter, der in der Nacht zum Freitag den Hafen von Lampedusa erreichte, wurde ein weiterer Leichnam gefunden. Vor dem Eintreffen der vier Schnellboote in den Stunden davor hatte ein italienischer Hubschrauber von Catania aus den Kutter erreicht, um Wasser und Lebensmittel hinunterzulassen. Manche Flüchtlinge wollten sich daraufhin am Seil und mit dem Korb, in dem die Hilfsgüter hinabgelassen worden waren, in den Hubschrauber retten. Da dieser jedoch nicht dafür ausgerüstet war, kappte der Pilot das Seil. In Lampedusa mussten 50 Personen, die an Bord des Kutters gewesen waren, medizinisch versorgt werden; viele waren entkräftet, dehydriert und standen unter Schock.

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