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Flüchtlingsdrama : „Dutzende Tote vor Lampedusa“

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In der Sache der 25 jungen Afrikaner, die offenbar im Maschinenraum des am vergangenen Montag von der Küstenwache aufgebrachten Bootes erstickt waren, wird mittlerweile gegen sechs mutmaßliche Schleuser ermittelt. Obwohl sie ihre Verbrechen womöglich in internationalen Gewässern verübten, gab das römische Justizministerium der Staatsanwaltschaft in Agrigent auf Sizilien die Anweisung, das Verfahren gegen die Männer zu eröffnen. Zwei von ihnen wird Mord vorgeworfen, vier müssen sich unter anderem wegen fahrlässiger Tötung verantworten.

Seit Ausbruch des Bürgerkriegs und der alliierten Operationen in Libyen im März haben nach Agenturberichten 24 000 Migranten Italien erreicht. Die meisten von ihnen stammen aus Schwarzafrika und sind nun in den 31 Aufnahmelagern in Italien untergebracht, die insgesamt nur für 8500 Menschen gebaut sind. Allein am Donnerstag wurden 1150 Personen von Lampedusa aus auf Lager im übrigen Italien verteilt.

UNCHR: Mehr als 1500 Vermisste

Wegen der zunehmenden Zahl an Toten fordert das Flüchtlingshochkommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) mehr Einsatz bei den Rettungsmaßnahmen. Seit Beginn der Bombenangriffe auf Libyen im März würden 1500 Afrikaner vermisst, die die Reise an der nordafrikanischen Küste in Richtung Europa angetreten, aber Europa nie erreicht hätten, sagte die italienische UNCHR-Sprecherin Laura Boldrini der Zeitung „Corriere della Sera“. Um eine weitere Zunahme der Todesopfer bei Bootsunglücken zu verhindern, müsste ihrer Meinung nach die Zusammenarbeit unter den Schiffen in den betroffenen Gewässern verbessert werden.

Sie erklärte die steigende Zahl der Opfer mit dem Umstand, dass früher Schlauchboote für die Überfahrt benutzt worden seien, während jetzt schrottreife Kutter eingesetzt und mit bis zu 800 Migranten auf See geschickt würden. Dabei fehle den Schiffsführern meist die sachgerechte Ausbildung. Bei den meisten Migranten handle es sich um Afrikaner aus Gebieten südlich der Sahara, die in Libyen Arbeit suchten und nun vor dem Krieg flüchteten und nicht mehr nach Hause könnten, sagte Frau Boldrini. Für die meisten von ihnen sei es aber schwierig, politisches Asyl zu erhalten.

Gerüchte über Tod von Gaddafi-Sohn

Unterdessen kursierten am Freitag Gerüchte über den angeblichen Tod, von Chamis al Gaddafi, einem Sohn des libyschen Diktators, der eine Chamis-Brigade genannte Eliteeinheit befehligt. Der Gaddafi-Sohn sei unter etwa 32 Soldaten des Regimes gewesen, die bei einem Nato-Luftangriff auf ein Kontrollzentrum nahe der Stadt Zlitan getötet wurden, teilte ein Sprecher der Rebellen mit. Die Chamis-Brigade verteidige das vom Regime kontrollierte Zlitan an vorderster Front.

Die Nato bestätigte lediglich Luftangriffe in der Region. Die Allianz habe Kenntnis von den Berichten über den Tod des Gaddafi-Sohnes, könne diesen aber nicht bestätigen, sagte ein Sprecher am Freitag. Mussa Ibrahim, der Sprecher des Regimes in Tripolis, dementierte den Bericht und sprach gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters von einem „schmutzigen Trick“. Es seien durch die Luftschläge indes Zivilisten getötet worden. Ein Reporter des arabischen Senders Al Dschazira berichtete, die Skepsis mit Blick auf die Meldung des Todes von Chamis al Gaddafi nehme stetig zu.

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