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Flüchtlinge in Griechenland : Außer Kontrolle

Kämpfe an der Grenze: Griechische Polizisten versuchen am Samstag Migranten am Grenzübertritt zu hindern. Bild: AFP

Flüchtlingshelfer werden angegriffen, es gibt Brandanschläge: In Griechenland ist die Stimmung vor allem auf den Ägäis-Inseln explosiv.

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          Vor der Reise des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan nach Brüssel an diesem Montag hat Innenminister Süleyman Soylu den Druck auf die EU verstärkt. Seit einer Woche hätten bereits mehr als 143.000 Menschen Griechenland erreicht, behauptete Soylu am Wochenende in der osttürkischen Stadt Elazig. Dies sei erst der Anfang, die Zahl werde sehr bald steigen, so Soylu, der im Kabinett als Hardliner gilt. „Was bisher geschehen ist, ist nichts.“ Wenn sich das Wetter bessere und der Wasserspiegel des Grenzflusses zwischen der Türkei und Griechenland sinke, werde der Grenzübertritt ein Leichtes sein. Zudem werde die türkische Grenzpolizei den Rücklauf von Migranten, die von der Grenze zurückkämen, „auffangen“, so Soylu laut türkischen Medienberichten. Der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis könne dann die Grenze nicht mehr halten.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Die von Soylu ohne Quellenangabe angeführten Zahlen liegen deutlich über denen, die Griechenland nennt, und sind nicht zu verifizieren. Athen behauptet, es seien 39.000 illegale Grenzübertritte verhindert worden, seit Erdogan am 29. Februar die türkische Grenze zu Europa für offen erklärt hatte. Weniger als 100 Personen seien nach irregulären Grenzübertritten festgenommen worden. Athen wirft der Türkei vor, türkische Militärpolizisten hätten 600 Migranten dabei geholfen, Tränengaskanister auf die griechische Seite der Grenze zu werfen. Türkisches Militär soll zudem laut den Berichten griechischer Medien Migranten dazu anhalten, die Grenze illegal zu überwinden.

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