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Flüchtlinge in Idlib : Tod in der Kälte

In verschneiter Landschaft haben Flüchtlinge in Azaz im Norden der syrischen Provinz Idlib Zelte aufgebaut. Bild: Reuters

Hunderttausende Menschen sind im Nordwesten Syriens auf der Flucht vor der Offensive des Assad-Regimes. Gefahr droht ihnen inzwischen auch von der Kälte: Die Menschen erfrieren.

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          Den fliehenden Zivilisten im Nordwesten Syriens droht nicht mehr nur der Tod durch syrische und russische Bomber oder durch die vorrückenden Truppen. Sie beginnen zu erfrieren. Abertausende haben kein Dach über dem Kopf, müssen in Zelten, Autos oder im Freien übernachten, während die Temperaturen auf bis zu sieben Grad unter null sinken.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Von insgesamt fünf durch die Kälte umgekommenen Kindern sprach die Hilfsorganisation International Rescue Committee. Eine ganze Familie sei im Schnee tot aufgefunden worden, weil sie keinen Schutz vor der Kälte gefunden habe. Ein Geflohener aus der Stadt Saraqib berichtet, die Leute würden in ihrer Verzweiflung ihre Habseligkeiten verbrennen. „Aber wenn sie verbrannt sind, kommt die Kälte zurück.“

          Das syrische Regime führt mit russischer und iranischer Unterstützung eine Offensive zur Rückeroberung der nordwestlichen Provinz Idlib. Dort sind etwa drei Millionen Zivilisten Geiseln von radikalen Islamisten der Allianz „Hayat Tahrir al Scham“, die Idlib beherrscht.

          Laut UN-Angaben sind seit Dezember mindestens 800.000 Menschen vertrieben worden, achtzig Prozent davon Frauen und Kinder. Das Welternährungsprogramm schlug am Dienstag Alarm, die andauernde Gewalt würde die Versorgung der Menschen massiv behindern. Man habe die Arbeit zwischenzeitlich aus Sicherheitsgründen einstellen müssen.

          Ein Kind in der syrischen Stadt Dana beobachtet von einem Balkon, wie Autos mit Flüchtlingen in Richtung der nahen Grenze zur Türkei fahren.
          Flüchtlinge fahren mit ihrem Traktor an einem brennenden Haus in dem Ort Abian zwischen Aleppo und Idlib vorbei, der von Regimetruppen angegriffen wurde.
          In einem improvisierten Flüchtlingslager in Azaz im Norden der Provinz Idlib wird Brot ausgegeben.
          Syrische Binnenvertriebene aus der Region um die nördliche Großstadt Aleppo sind mit ihrem Hab und Gut in Richtung Nordwesten unterwegs, wo es weniger Angriffe gibt.
          Kinder in einem Zelt, das Flüchtlinge in dem Ort Azaz nahe der syrisch-türkischen Grenze in der Provinz Idlib errichtet haben.

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