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Florida : Die Stunde des Marco Rubio

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Mit der politischen Unterstützung und dem Geld der „Tea Party“ rüstete sich der konservative Außenseiter Rubio schon von Mitte 2009 an zum Kampf gegen den gemäßigten Favoriten Crist in den innerparteilichen Vorwahlen. Bald zeichnete sich ab, dass Rubio die Vorwahlen haushoch gegen Crist gewinnen würde. Die sichere Niederlage vor Augen, zog sich Crist aus den Vorwahlen zurück, trat aus der Republikanischen Partei aus und ließ sich als unabhängiger Kandidat für die Senatswahl registrieren. Er kalkulierte mit den Stimmen der unabhängigen Wähler und auch einiger Demokraten und begann Rubio als Extremen auf der Rechten zu kritisieren.

Rubio gewann fortgesetzt an Popularität

Doch der telegene und eloquente Rubio gewann fortgesetzt an Popularität. Dem abtrünnigen Gouverneur Crist kreideten nicht nur konservative Republikaner an, dass dieser das 787 Milliarden Dollar umfassende Konjunkturpaket von Präsident Barack Obama gutgeheißen und den Präsidenten bei einem Besuch in Florida gar mit einer Umarmung statt mit dem üblichen Handschlag willkommen geheißen hatte. Ins kollektive Gedächtnis der Republikaner brannte sich zudem der gemeinsame Strandspaziergang Crists mit Obama vom Juni ein, als der Gouverneur und der Präsident in Freizeitkleidung die „Casino Beach“ von Pensacola nach möglichen Ölverschmutzungen nach der Bohrinselkatastrophe im Golf von Mexiko inspizierten.

Crist sieht sich nicht nur den mit ruhigem Degen geführten Angriffen Rubios ausgesetzt, sondern auch den Säbelhieben des demokratischen Kandidaten Kendrick Meek. Bei der direkt im Fernsehen übertragenen Kandidatendebatte der „Nova Southeastern University“ in Fort Lauderdale treten Crists wachsende Verzweiflung, Rubios zunehmende Siegesgewissheit und Meeks unbekümmerte Außenseiterhoffnung deutlich zutage.

„Politiker können keine Jobs schaffen“

Rubio, der in jüngsten Umfragen mit 44 Prozent Zustimmung klar vor Crist mit 32 Prozent und Meek mit 20 Prozent in Führung liegt, beklagt die hohe Arbeitslosigkeit, die ohne positiven Effekt auf den Arbeitsmarkt verschwendeten Milliarden des Konjunkturpakets, die anhaltende Häuserkrise und die wachsende Staatsverschuldung. „Politiker können keine Jobs schaffen, nur Unternehmer sind dazu in der Lage“, sagt Rubio. Crist verteidigt dagegen das Konjunkturpaket, kritisiert aber die Gesundheitsreform von Obama und warnt immer wieder vor den „extremistischen Kandidaten auf der Rechten und der Linken“. Die Verlierer der Wirtschaftskrise in Florida – Leute wie Lisa Epstein – scheinen Rubios Worten zu glauben.

Florida hat eine Arbeitslosenquote von zwölf Prozent, gut zwei Prozentpunkte mehr als der Landesdurchschnitt, den die meisten Amerikaner schon als skandalöse Zumutung empfinden. Nur im Wüstenstaat Nevada, wo die Immobilienblase bis 2007 ein groteskes Ausmaß angenommen hatte, ehe sie im Jahr darauf schließlich zerplatzte, werden im Verhältnis zur Gesamtzahl der Haushalte mehr Häuser und Wohnungen zwangsversteigert als in Florida. Der „Sonnenscheinstaat“, der vom Aufschwung besonders profitiert hat, wird jetzt auch von der Krise besonders hart getroffen. Und weil sich viele Krisenverlierer von der Regierung in Washington im Stich gelassen fühlen, scheint die Stunde der Opposition gekommen zu sein – vor allem die des Marco Rubio.

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