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Florida : Die Stunde des Marco Rubio

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Jenseits des Sees leben die, die Palm Beach polieren

West Palm Beach am Westufer des Lake Worth ist seit je das Wohnquartier derjenigen, die Palm Beach vor gut einem Jahrhundert als fast unwirklich schönes Arkadien unter Palmen erschaffen haben und bis heute polieren. West Palm Beach hat sommers wie winters gut 100.000 Einwohner. Das Durchschnittsalter liegt bei knapp 35 Jahren und das Durchschnittseinkommen bei rund 30.000 Dollar im Jahr – nicht einmal ein Drittel dessen, was die Leute drüben in Palm Beach verdienen oder an Ruhestandsgeld beziehen.

In den Wohnvierteln von West Palm Beach jedenfalls ist Floridas Wirtschafts- und Häuserkrise mit den Händen zu greifen. In den Quartieren mit den bescheidenen Häusern oder gar Wohncontainern auf kleinen Grundstücken stecken die Schilder mit den Aufschriften „Im Bankauftrag zu verkaufen“ oder „Zwangsversteigerung“ in den Vorgärten der leerstehenden Häuser. Einzelhandelsgeschäfte und Restaurants haben zugesperrt. Es ist kein Zufall, dass von hier aus über die Selbsthilfegruppen von Lisa Epstein und Michael Redman die Bewegung gegen die Zwangsversteigerungen ihren Ausgang genommen hat. Erst der wachsende öffentliche Druck veranlasste Großbanken wie Ally, JP Morgan Chase, PNC und Bank of America dazu, die Praktiken von Auftragsunternehmen und Anwaltsbüros bei deren Beurkundung von Kredit- und Eigentumspapieren für Zwangsversteigerungen zu überprüfen.

„Roboter-Unterschriften“ unter Zwangsversteigerungspapiere

Rasch stellte sich heraus, dass deren Mitarbeiter ihre Unterschriften im Schnellverfahren unter Papiere gesetzt hatten, die sie weder gelesen noch gar überprüft hatten. In allen 50 Bundesstaaten ordneten die Justizminister daraufhin eine Untersuchung der Zwangsversteigerungspraktiken an. Die Großbanken selbst setzten Millionen Zwangsversteigerungen wegen der Praxis der „Roboter-Unterschriften“ aus, mittels welcher die beauftragten Anwaltsbüros die Flut der zu überprüfenden Anträge gemeistert hatten. Wie viele Eigenheimbesitzer wegen fahrlässiger oder auch betrügerischer Beurkundung ihrer Zwangsversteigerungspapiere unrechtmäßig ihre Häuser und Wohnungen verloren, weiß niemand. Floridas Justizminister Bill McCollum hat Ermittlungen gegen vier Anwaltsbüros eingeleitet, deren Mitarbeiter mit „Roboter-Unterschriften“ Tausende von Anträgen auf Zwangsversteigerungen durchgewinkt haben sollen.

Vieles spricht dafür, dass ein einst bedrängter Hausbesitzer aus bescheidenen Verhältnissen in Miami, der vor einigen Monaten die drohende Zwangsversteigerung eines Hauses der verzweigten Familie gerade noch abwenden konnte, der nächste Senator aus Florida wird. Es ist Marco Rubio, 39 Jahre alt, früherer Präsident des Abgeordnetenhauses von Florida in Tallahassee und eine der großen Nachwuchshoffnungen der Republikaner. Der rasante Aufstieg Marco Rubios, dessen Eltern kurz nach der Machtergreifung Fidel Castros als politische Flüchtlinge von Kuba nach Miami kamen, ist neben dem spektakulären Niedergang von Gouverneur Charlie Crist eines der wichtigsten politischen Ereignisse im Wahljahr 2010.

Rubio rüstet sich mit dem Geld der „Tea Party“

Noch vor gut zwei Jahren wurde Crist, ein gemäßigter Republikaner und politischer Ziehsohn des langjährigen Gouverneurs Jeb Bush, nicht nur als möglicher „running mate“ für das Amt des Vizepräsidenten neben Präsidentschaftskandidat John McCain genannt. Crist galt sogar selbst als potentieller Präsidentschaftskandidat für 2012. Doch dann gab im Dezember 2008 der einstige Wohnungsbauminister unter Präsident George W. Bush und damalige Senator Mel Martinez bekannt, dass er sich 2010 nicht um eine zweite Amtszeit bewerben werde. Der populäre Gouverneur Crist galt als sicherer Nachfolger für Martinez – bis die konservative „Tea Party“-Bewegung das republikanische Establishment in Florida und anderswo in Amerika kräftig durcheinanderwirbelte.

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