https://www.faz.net/-gpf-acr5o

17 Palästinenser verletzt : Israelische Nationalisten ziehen bei Flaggenmarsch durch Jerusalem

  • Aktualisiert am

Der Demonstrationszug in Jerusalem, im Hintergrund die Al-Aqsa-Moschee Bild: EPA

Die Demonstration ist die erste Herausforderung Israels neuer Regierung unter dem ultrarechten Bennett. Bei Zusammenstößen mit der Polizei werden vor dem Marsch mehrere Palästinenser verletzt.

          2 Min.

          Tausende Nationalisten sind bei einem umstrittenen Flaggenmarsch durch Jerusalem gezogen. 5000 Teilnehmer schwenkten bei der Veranstaltung am Dienstag Israelflaggen. Bei Zusammenstößen mit der Polizei in der Nähe der Jerusalemer Altstadt waren vor dem Marsch 27 Palästinenser verletzt worden, wie der palästinensische Rettungsdienst Roter Halbmond mitteilte. Insgesamt 17 Palästinenser wurden bei Konfrontationen mit den Sicherheitskräften festgenommen, wie die „Times of Israel“ unter Berufung auf die Polizei mitteilte.

          Die Route sollte auch durch das muslimische Viertel der Jerusalemer Altstadt führen, was Palästinenser als besondere Provokation empfinden. Die beiden größten Palästinenserorganisationen Fatah und Hamas hatten angesichts des Marschs zu einem „Tag des Zorns“ aufgerufen.

          Nach Angaben der Jerusalemer Stadtverwaltung sollten etwa 2000 Polizisten den Marsch absichern. Erwartet wurden etwa 5000 Teilnehmer. Die israelische Armee verlegte nach einem Bericht der „Jerusalem Post“ zusätzliche Kräfte ins Westjordanland. Verteidigungsminister Benny Gantz betonte bei einem Treffen mit Sicherheitsbehörden die Notwendigkeit, „die persönliche Sicherheit von Israels Bürgern, Juden und Arabern gleichermaßen, zu schützen“.

          Verbrannte Felder vor dem Marsch

          Der jüngste solche Marsch anlässlich des sogenannten Jerusalem-Tags wurde am 10. Mai wegen Raketenangriffen der im Gazastreifen herrschenden Hamas abgebrochen.

          Vor dem Marsch waren im Süden Israels mehrere Felder niedergebrannt worden. Die israelische Feuerwehr äußerte die Vermutung, dass die Feuer durch sogenannte Brandballons von militanten Palästinensern aus dem Gazastreifen ausgelöst wurden. Auf Videoaufnahmen war großflächig verbranntes Gras zu sehen. Medien berichteten von rund einem Dutzend Feuer. Am Grenzzaun zum Gazastreifen kam es nach Angaben der Armee zu Konfrontationen zwischen Soldaten und etwa 30 Palästinensern. Im Gazastreifen demonstrierten zudem am Nachmittag Tausende Palästinenser gegen den Marsch.

          Auf Aufnahmen von dem Marsch war zu sehen, wie einige Teilnehmer „Tod den Arabern“ skandierten. Außenminister Jair Lapid schrieb auf Twitter: „Diese Leute sind eine Schande für das Volk Israel“. Demnach sei es aber richtig gewesen, den Marsch zu genehmigen.

          Beim letzten Mal kamen die Raketen

          Unterstützer von Ex-Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatten den Marsch der Nationalisten organisiert. Dieser setzte die neue Regierung von Regierungschef Naftali Bennett von der ultrarechten Jamina-Partei unter Druck. Mit nur einer Stimme Vorsprung war die Acht-Parteien-Regierung am Sonntagabend im Parlament bestätigt worden. Dies bedeutet das vorläufige Ende der Ära von Netanjahu, der seit 2009 durchgehend im Amt war.

          Der letzte Marsch anlässlich des sogenannten Jerusalem-Tags wurde am 10. Mai wegen Raketenangriffen der im Gazastreifen herrschenden Hamas abgebrochen. Hamas bezeichnete den Angriff auf Jerusalem als eine Reaktion auf Israels Vorgehen auf dem Tempelberg in der Altstadt von Jerusalem und in dem Viertel Scheich Dscharrah. Die von EU, USA und Israel als Terrororganisation eingestufte islamistische Gruppierung hatte im Fall neuer „Verstöße“ Israels mit neuen Angriffen gedroht.

          Israel hatte den arabisch geprägten Ostteil Jerusalems 1967 erobert. Die Palästinenser sehen ihn als künftige Hauptstadt eines eigenen Staates, Israel beansprucht dagegen ganz Jerusalem als Hauptstadt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Klima-Aktivistin Luisa Neubauer auf einer Demonstration am Freitag in Hamburg

          Proteste der Klimajugend : Der Gegner heißt Armin Laschet

          Die Fridays-for-Future-Bewegung nimmt speziell CDU und CSU ins Visier. Nach der Flutkatastrophe, die die Aktivisten auf den Klimawandel zurückführen, wollen sie bis zur Wahl mehr Druck aufbauen.
          Im Visier der Kartellämter: der amerikanische Tech-Gigant Google

          Chef der Wettbewerbsabteilung : Albtraum der Tech-Giganten

          Jonathan Kanter soll einen der wichtigsten Kartellposten in den USA bekommen. Das dürfte vor allem Google und Apple alarmieren – damit sitzt der dritte Tech-Kritiker an einer zentralen Schaltstellen der amerikanischen Kartellpolitik.
          Gute Nachrichten für deutsche Hausbauer: Bauholz wird wieder billiger.

          Baumaterial : Holzpreise in Amerika sinken rapide

          Währen in Deutschland die Baumaterialien extrem teuer sind, krachen die Holzpreise in Amerika ein. Aber auch bei uns könnte Bauholz schon bald wieder billiger werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.