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Fischer-Reise : Zupfen am kaukasischen Knoten

Gemeinsamer Markt der Südkaukasus-Staaten: Fischer und Amtskollegin Surabischwili Bild: dpa/dpaweb

Bundesaußenminister Fischer macht einen großen Bogen um den Irak und propagiert europäische Nachbarschaftlichkeit.

          4 Min.

          Der deutsche Außenminister hat um den Irak seit letztem Montag einen weiten Bogen gemacht: In der Woche, in der die Koalition der Irak-Sieger immer mehr Ermüdungsrisse zeigt und sich immer neue Anschläge und Gewalttaten zur Einschätzung addieren, der Konflikt werde unlösbar, in jenen Tagen hat Fischer erst Afghanistan, dann die drei Staaten im Süden des Kaukasus besucht und dabei die umliegenden Krisenherde durchgezählt. Es wirkt die Vermutung plausibel, Fischer habe die Gelegenheit vielleicht nicht eines Gegenbeweises, aber doch einer Gegenveranschaulichung wahrgenommen, er habe im Moment, in dem die amerikanische Variante einer Krisenhandhabung ihr Scheitern offenbart, einen europäischen Konfliktlösungsansatz zu demonstrieren gesucht.

          Johannes Leithäuser
          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Denn just an dem Tag, an dem Spanien nach der Entscheidung über den Abzug der eigenen Truppen aus dem Irak zu fragen begann, ob die Soldaten statt dessen vielleicht am Hindukusch zu gebrauchen wären, inspizierte Fischer das deutsche Truppenkontingent im Norden Afghanistans, das dort den Eindruck erweckt, als sei unter bestimmten Bedingungen eine kombinierte militärische und zivile Aufbaupräsenz ideal zur Stabilisierung eines Landes. Und als Fischer ausgezeichnet wurde mit der Ehre, als Gast des afghanischen Präsidenten auf dessen Palastgelände zu übernachten, konnte er schräg gegenüber hinter der ersten Straßenkreuzung einen Blick werfen auf das zur Militärfestung umgerüstete Gelände der amerikanischen Botschaft, wo über einem Wall von Stahlplatten, Betonsegmenten, Sandsäcken, gekrönt von Stacheldraht, vermummte Wachsoldaten Ausguck hielten.

          Aufmerksamkeit wecken für diese geopolitisch bedeutsame Gegend

          Das Gegensatzbild zwischen den Vereinigten Staaten und Europa, das in Afghanistan noch leicht mit solchen Beispielen zu illustrieren war, trübt sich allerdings rasch auf dem Weg durch den Südkaukasus. Fischer, der die Region im Sommer 2001 schon einmal besuchte -, und sich heute gelegentlich zufrieden lächelnd dieser eigenen Weitsicht erinnert -, will durchaus Aufmerksamkeit wecken für diese geopolitisch bedeutsame Gegend, die doch Brücke sein könne zwischen Europa und dem Mittleren bis Fernen Osten, die gegenwärtig aber eher wie ein Sprengstoffdepot wirkt. Im Blick des deutschen Außenministers reicht der Sorgenwinkel dabei vom Rand Europas - wobei die Türkei schon faktisch in die EU hineingehoben ist - bis zum Rande des chinesischen Reiches, das ja eine kurze gemeinsame Grenze mit Afghanistan hat in jenem nordöstlichen Zipfel, der gegenwärtig zum Betreuungsgebiet des deutschen Wiederaufbauteams gehört.

          Nach den Gesprächen mit dem aserbaidschanischen, dem armenischen und dem georgischen Präsidenten gebraucht Fischer die Formel von einem "kaukasischen Knoten". In Einschätzungen wird die Lage auch in den Begriff "Balkan plus" gefaßt. In Baku und in Eriwan hat Fischer Kränze an die Gedenkstätten getragen, mittels deren Aseris und Armenier ihre Toten betrauern in einer Art, die zugleich das Verbrechen der jeweils anderen lebendig halten soll. Beide Male kam Fischer an einer ewigen Flamme vorbei, die nicht nur als Gedenklicht brannte, sondern auch zum Zweck, den Haß heiß zu halten. Beide Male haben die schwarzrotgoldenen Kranzschleifen nur den Spender ("Der Bundesminister des Auswärtigen") vermerkt, aber vorsichtshalber keine Widmung enthalten, um nicht in den Verdacht einseitiger Stellungnahmen zu kommen.

          „Gibt keine unwichtigen Konflikte mehr"

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