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Skandal um Scheinbeschäftigung : Fillon entschuldigt sich – ein bisschen

  • Aktualisiert am

Der Präsidentschaftskandidat der französischen Konservativen entschuldigte sich am Montag bei den Franzosen – und bekräftigte seinen Anspruch auf die Kandidatur. Bild: Reuters

Der angeschlagene Präsidentschaftskandidat der französischen Konservativen hat Fehler eingestanden. An der Rechtmäßigkeit der Beschäftigung seiner Frau hält Fillon aber fest – und kündigt einen entschlossenen Wahlkampf an.

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          Fast zwei Wochen nach Beginn der Debatte um die Beschäftigung seiner Frau auf Parlamentskosten hat François Fillon die Franzosen am Montag in Paris um Entschuldigung gebeten. Er habe eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit seiner Frau und seinen Kindern privilegiert, die heute Misstrauen wecke. „Das war ein Fehler und ich bereue ihn zutiefst: Ich entschuldige mich bei den Franzosen“, sagte Fillon bei einer Pressekonferenz in seiner Wahlkampfzentrale. Er fügte hinzu: „Ich übernehme die volle Verantwortung“. An seiner Kandidatur will Fillon weiterhin festhalten.

          Der Konservative betonte, dass er nicht gegen geltendes Recht verstoßen habe, auch wenn ein Großteil der Franzosen die Beschäftigung von Familienmitgliedern heute nicht mehr akzeptiere. „Ich habe nichts zu verbergen“, sagte Fillon. Das Gehalt seiner Frau sei zu jedem Zeitpunkt durch ihre Arbeit gerechtfertigt gewesen. „Sie war die Verbindung zu meinem Wahlkreis“, sagte Fillon. Dafür könne er Nachweise vorlegen.

          Fillon korrigierte auch das von der Zeitung „Le Canard Enchainé“ in Umlauf gebrachte Gehalt seiner Ehefrau Penelope. Es habe sich dabei um Bruttobeträge gehandelt, die aufgebauscht worden seien. „15 Jahre lang hat meine Ehefrau monatlich im Schnitt 3667 Euro netto verdient“, sagte er.

          Die französische Justiz hat Vorermittlungen eingeleitet, um zu prüfen, ob Fillons Ehefrau von einer Scheinbeschäftigung profitiert hat. Fillon sagte, er erwarte eine Einstellung des Verfahrens. „In 32 Jahren politischer Laufbahn habe ich niemals gegen das Gesetz verstoßen“, sagte er.

          Fillon kritisiert Interview als „aus dem Kontext gerissen“

          Fillon ging auch auf das Interview ein, das seine Frau im Mai 2007 der englischen Zeitung „Sunday Telegraph“ gegeben hatte. Passagen daraus hatten in den vergangenen Tagen den Druck auf Fillon erhöht. Penelope Fillon hatte damals gesagt, nie als Assistentin für ihren Mann gearbeitet zu haben. Fillon sagte nun, der Ausschnitt sei aus dem Kontext gerissen worden. Seine Frau habe sich nicht explizit als seine Untergebene bezeichnet, weil sie das auch nie gewesen sei. Sie habe immer partnerschaftlich mit ihm zusammengearbeitet, so Fillon.

          Der Konservative kündigte an, den Wahlkampf von nun an mit noch größerer Entschlossenheit zu führen und sich am Dienstag mit den Mitgliedern seiner Partei zu treffen, um die folgenden Schritte zu besprechen. Er betonte seinen Anspruch auf die Kandidatur der Konservativen: „Ich bin heute der einzige Kandidat.“

          Fillon erklärte, er werde sich als Präsident verstärkt für Transparenz in der Politik einzusetzen. Er selbst nannte in seiner Ansprache Details zu seinem Vermögen. Die Pressekampagne gegen ihn verglich er mit einem „politischen Mordversuch“. Fillon galt lange als Favorit für die Präsidentschaftswahl. Zuletzt hatte in Umfragen aber massiv an Zustimmung verloren.

          Rücktritt oder Gegenangriff?

          Im Umfeld des 62 Jahren alten Politikers war bereits zuvor die Rede von einem „Gegenangriff“ des Kandidaten gewesen. Die Zeitung „Le Figaro“ hatte schon vor Ankündigung der Pressekonferenz einen „treuen Unterstützer“ zitiert, der sagte, dass der Kandidat am Montag „die Fakten erklären“ wolle: „Er wird nicht aufgeben.“ Auch der französische Sender Franceinfo berichtete, Fillon werde möglicherweise in die Offensive gehen.

          Es gab aber auch Gerüchte über einen möglichen Rückritt des angeschlagenen Kandidaten. Französische Medien spekulierten seit Tagen über einen möglichen „Plan B“, falls Fillon seine Präsidentschaftsambitionen aufgeben müsse. Auch einzelne Politiker aus Fillons eigenem Lager dachten bereits laut über einen Wechsel des Kandidaten nach.

          Der frühere Premierminister Alain Juppé hatte am Montag abermals ausgeschlossen, als Ersatz für den angeschlagenen Fillon einzuspringen. Der Bürgermeister von Bordeaux hatte die Vorwahl um die Präsidentschaftskandidatur des bürgerlichen Lagers gegen Fillon verloren und seit Bekanntwerden der Vorwürfe mehrfach betont, dass er nicht als Ersatz bereitstehe. „NEIN heißt für mich NEIN“, schrieb Juppé auf Twitter, und sprach von „Gerüchten ohne Grundlage“. Er rief dazu auf, am Montag François Fillon zuzuhören, „unserem Kandidaten“.

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